Der Prüfplan der Leistungsstudie legt Begründung, Ziele, Design, Methodik, Monitoring, statistische Erwägungen, Organisation und Durchführung einer Leistungsstudie mit einem In-vitro-Diagnostikum fest. Ein Produkt für Leistungsstudien ist ein IVD, das der Hersteller für die Verwendung in einer solchen Studie bestimmt hat.
Der Prüfplan als Steuerungsdokument
Der Prüfplan übersetzt die Leistungsfrage in einen überprüfbaren Ablauf. Er beschreibt unter anderem die zu untersuchende Population oder Probenquelle, die Vergleichs- oder Referenzmethode, Endpunkte, Probengewinnung, Auswertungsverfahren und Verantwortlichkeiten. Bei Studien mit Proben muss die Zuordnung klinischer Informationen und Testergebnisse eindeutig sein.
Die Planung muss der Art der beanspruchten Leistung entsprechen. Eine Studie zur diagnostischen Genauigkeit braucht ein anderes Referenzkonzept als eine Untersuchung von Wiederholbarkeit oder Bedienereinfluss. Auch der Umgang mit ungültigen Ergebnissen, fehlenden Daten und Probenabweichungen gehört vorab in den Plan, damit die Auswertung nicht erst nach Kenntnis der Ergebnisse festgelegt wird.
Abgrenzung zu reiner Forschungsnutzung
Ein Produkt für Leistungsstudien setzt eine Bestimmung durch den Hersteller voraus. Ein Produkt ohne medizinische Zweckbestimmung, das ausschließlich zu Forschungszwecken eingesetzt wird, fällt ausdrücklich nicht unter diesen Begriff. Die Forschungsumgebung allein entscheidet daher nicht; maßgeblich ist, was der Hersteller mit dem Produkt und der Studie nachweisen will.
Diese Abgrenzung schützt davor, Forschungsreagenzien mit IVDs für Leistungsstudien gleichzusetzen. Sobald eine Studie Daten für die Leistungsbewertung eines IVD mit medizinischer Zweckbestimmung erzeugen soll, müssen Produktstatus und Studienunterlagen nach IVDR beurteilt werden. Ein Forschungslabel kann diese Einordnung nicht ersetzen.
Abgrenzung zum klinischen Prüfplan
Der bestehende Begriff klinischer-pruefplan bezieht sich auf eine klinische Prüfung mit einem Medizinprodukt nach MDR. Der Prüfplan der Leistungsstudie ist sein Gegenstück im IVDR-Kontext, aber keine bloße Umbenennung. Er adressiert die Leistungsbewertung eines IVD und damit insbesondere Analyten, Proben, Referenzmethoden und die klinische Interpretation von Testergebnissen.
Auch performance-study ist der übergeordnete Studientyp. Der Prüfplan beschreibt, wie diese Studie durchgeführt wird, während das Produkt für Leistungsstudien das hierfür bestimmte IVD bezeichnet. Die Begriffe stehen deshalb in einem funktionalen Zusammenhang, bleiben aber voneinander getrennte Definitionen.
Nachweisführung und Änderungen
Ein belastbarer Prüfplan verbindet Studienaktivitäten mit Leistungsfragen und Auswertungsschritten. Werden Analyseverfahren, Probenwege oder Ein- und Ausschlusskriterien geändert, kann dies die Aussagekraft der Studie beeinflussen. Änderungen müssen daher bewertet und dokumentiert werden, bevor sie die Vergleichbarkeit der erhobenen Daten beeinträchtigen.
Das Produkt für Leistungsstudien muss in seiner untersuchten Konfiguration identifizierbar bleiben. Reagenzchargen, Softwarestände, Geräteversionen und Kalibrierungen können das Ergebnis beeinflussen. Die Dokumentation sollte ermöglichen, jedes Resultat auf die verwendete Produktkonfiguration und die Bedingungen der Untersuchung zurückzuführen.
Der Prüfplan muss zudem festlegen, wie die Rechte, Sicherheit und der Schutz der in die Studie einbezogenen Personen oder Probenquellen gewahrt werden. Bei Leistungsstudien mit zusätzlich invasiven Probenentnahmen oder bei der Verwendung von Restproben können unterschiedliche Risiken und Informationsanforderungen bestehen. Die wissenschaftliche Notwendigkeit der Probe und der Bezug zur Leistungsfrage sollten sich im Design widerspiegeln.
Eine klare Trennung zwischen Studienplan und Leistungsbewertungsplan verhindert widersprüchliche Dokumente. Der Leistungsbewertungsplan beschreibt die Gesamtstrategie für wissenschaftliche Validität, analytische und klinische Leistung; der Prüfplan legt die konkrete Durchführung einer einzelnen Studie fest. Ergebnisse aus der Studie werden anschließend in die umfassendere Leistungsbewertung eingeordnet und nicht losgelöst als Einzelbeleg betrachtet.
Bei standortübergreifenden Studien muss der Plan definieren, wie identische Testbedingungen sichergestellt werden. Unterschiede in Probenverarbeitung, Geräten oder Auswertung können die Ergebnisse verändern. Monitoring und Datenchecks richten sich deshalb nicht nur auf die Vollständigkeit von Formularen, sondern auch auf die Einhaltung der für die Leistungsfrage entscheidenden Laborabläufe.
Bedeutung für klinische Studien
In IVDR-Projekten verbindet der Prüfplan die wissenschaftliche Fragestellung mit dem operativen Ablauf in Laboren, Prüfzentren und Datenbanken. Ohne präzise Vorgaben zu Referenzmethode und Probenfluss kann eine Studie zwar Daten produzieren, aber die behauptete Leistung nicht verlässlich beantworten. Für kombinierte Studien mit Arzneimitteln oder Medizinprodukten müssen die Zuständigkeiten der parallelen Rechtsrahmen zusätzlich abgegrenzt werden.
Full-Service-CROs wie Mediconomics unterstützen bei der Ausarbeitung von Prüfplänen, der Einrichtung von Proben- und Datenflüssen, der Koordination von Monitoring und Laboren sowie bei statistischen Auswertungen für die IVDR-Leistungsbewertung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist ein Forschungsreagenz automatisch ein Produkt für Leistungsstudien?
Nein. Ohne medizinische Zweckbestimmung und Bestimmung durch den Hersteller für eine Leistungsstudie greift die IVDR-Definition nicht.
Worin unterscheidet sich der Prüfplan vom Produkt für Leistungsstudien?
Der Prüfplan beschreibt die Studie; das Produkt für Leistungsstudien ist das IVD, das in dieser Studie verwendet und bewertet wird.
Warum muss die Produktkonfiguration im Prüfplan nachvollziehbar sein?
Änderungen an Reagenzien, Software oder Geräten können Ergebnisse beeinflussen und damit die Übertragbarkeit der Leistungsdaten begrenzen.
Regulatorische Referenzen
- Verordnung (EU) 2017/746 (IVDR) — enthält die Definitionen für Leistungsstudie, Prüfplan und Produkt.
- Verordnung (EU) 2017/746, Anhang XIII — regelt Leistungsbewertung und Leistungsstudien.
- MDCG 2022-2, Clinical evidence for IVDs — erläutert den Zusammenhang zwischen Studie und Leistungsbewertung.
- MDCG 2025-5, Q&A on combined studies — behandelt kombinierte Studienkonstellationen.