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Glossar

Der Prüfarztordner, international Investigator Site File (ISF), ist die am Prüfzentrum geführte Sammlung wesentlicher Unterlagen, die Durchführung und Dokumentation einer klinischen Prüfung stützen. Er bildet den Gegenpart zu den sponsorseitigen Unterlagen im Trial Master File und muss so geführt werden, dass die Rolle des Prüfers, die GCP-Konformität und der Schutz der Teilnehmenden nachvollziehbar sind.

Inhalt und Zweck am Prüfzentrum

ICH E6(R3) beschreibt wesentliche Unterlagen als Nachweise, mit denen die regelkonforme Studiendurchführung und die Verlässlichkeit der Ergebnisse beurteilt werden können. Das beim Prüfer oder der Institution geführte Repositorium kann als Investigator Site File bezeichnet werden. Es enthält oder referenziert die Unterlagen, die das Prüfzentrum für seine Aufgaben benötigt und aufbewahren muss. Dazu gehören je nach Studie etwa genehmigte Prüfpläne, Aufklärungsunterlagen, Ethik- und Behördenkorrespondenz, Delegations- und Schulungsnachweise, Sicherheitsinformationen, Prüfpräparatdokumentation und Zentrumsunterlagen.

Ein ISF ist nicht zwingend ein Papierordner. Die Anforderungen gelten auch für elektronische Repositorien, Portale und hybride Ablagen. Entscheidend sind eindeutige Identifikation, gegebenenfalls Versionskontrolle, Suche und Abrufbarkeit. Unterlagen müssen vollständig, lesbar und auf Anfrage für Behörden, Monitore und Auditoren direkt zugänglich sein; Änderungen müssen nachvollziehbar bleiben. Der Prüfer beziehungsweise die Institution behält die Verantwortung für die von ihr erzeugten und aufzubewahrenden wesentlichen Unterlagen.

Arbeitsteilung mit dem Trial Master File

Der Trial Master File des Sponsors und der Prüfarztordner sind keine identischen Doppelablagen. ICH E6(R3) sieht Repositorien beim Sponsor und beim Prüfer oder der Institution für ihre jeweiligen Unterlagen vor. Manche Unterlagen liegen nur auf einer Seite, etwa vertrauliche Teilnehmendeninformationen beim Prüfzentrum oder ausschließlich sponsorbezogene Analysen beim Sponsor. Andere Unterlagen müssen beiden Seiten zugänglich sein oder dort aufbewahrt werden, weil sie die gemeinsame Studiendurchführung betreffen.

Die Arbeitsteilung setzt geregelte Zugriffs- und Aufbewahrungsvereinbarungen voraus, insbesondere wenn Aufgaben an Dienstleister übertragen werden. Am Studienende soll jede Partei ihre wesentlichen Unterlagen behalten. Der bestehende Eintrag trial-master-file beschreibt die sponsorseitige Perspektive; essential-documents behandelt die Kategorie der Unterlagen. Der Prüfarztordner erklärt den praktischen Standortbezug am Zentrum und darf deshalb nicht als bloße Kopie des TMF verstanden werden.

Abgrenzung und Inspektionsbereitschaft

In der Praxis ist der Prüfarztordner häufig das, was bei einem Monitoringbesuch oder einer Inspektion zuerst herangezogen wird, weil er die Durchführung vor Ort sichtbar macht. Das bedeutet nicht, dass er allein die gesamte Studie beweist. Behörden und Auditoren können auch in Quellenunterlagen, Krankenhausakten, elektronische Systeme und sponsorseitige Unterlagen Einsicht nehmen. Der ISF schafft aber die organisierte Verbindung zwischen genehmigter Planung, Qualifikation des Personals, Zentrumsvorgängen und den erforderlichen Nachweisen.

Ein Prüfarztordner ist weder ein Patientenarchiv noch ein Ablageort für beliebige Kopien. Es sollte feststehen, welche Unterlagen im ISF liegen, welche über ein kontrolliertes Repositorium referenziert werden und wo sich Originale befinden. Besonders relevant sind Aktualität nach Änderungen, der Zugang bei Personalwechsel, Schutz vertraulicher Informationen und die dokumentierte Archivierung. Die EudraLex-Empfehlung verlangt eine organisierte Ablage, die Studiemanagement, Audit und Inspektion erleichtert.

Eine aktuelle Inhaltsübersicht und ein Verweis auf kontrollierte elektronische Ablagen helfen, die Vollständigkeit ohne unnötige Mehrfachkopien zu prüfen. Bei Wechsel des Prüfers oder der Studienkoordination sollte der Zugang geordnet übergeben und der Verbleib der Unterlagen dokumentiert werden.

Bedeutung für klinische Studien

Ein unvollständiger oder ungeordneter ISF erschwert Monitoring und kann die Rekonstruktion der Studiendurchführung verhindern. Häufige Probleme sind veraltete Dokumentversionen, nicht abgelegte Schulungsnachweise, fehlende Delegationsunterlagen, unklare Trennung zu Quellenunterlagen oder nicht geregelter Zugriff auf Sponsorportale. Das Prüfzentrum benötigt deshalb eine praktikable Ordnerstruktur und klare Zuständigkeiten, damit die Unterlagen nicht erst kurz vor einem Besuch zusammengesucht werden.

Full-Service-CROs wie Mediconomics unterstützen bei der Einrichtung und Pflege einer ISF-Struktur, der Auswahl und Bereitstellung aktueller Zentrumsunterlagen, der Kontrolle im Monitoring sowie der Vorbereitung auf Audit und Inspektion. Sie können Dokumentationslisten, Trainingsnachweise, Delegationsnachweise und Prüfpräparatunterlagen mit dem Trial Master File abstimmen, offene Punkte nachverfolgen und die Archivierungsübergabe am Studienende koordinieren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist der Prüfarztordner immer ein Papierordner?

Nein. Er kann elektronisch, auf Papier oder hybrid geführt werden. Die Unterlagen müssen unabhängig vom Medium identifizierbar, vollständig, lesbar, auffindbar und bei Bedarf zugänglich sein.

Wer ist für den Inhalt des Prüfarztordners verantwortlich?

Der Prüfer oder die Institution ist für die eigenen wesentlichen Unterlagen verantwortlich. Sponsor und Prüfzentrum müssen zugleich Zugriffs- und Aufbewahrungsfragen für gemeinsam relevante Unterlagen regeln.

Ist der Prüfarztordner dasselbe wie der Trial Master File?

Nein. Beide dienen der Dokumentation wesentlicher Unterlagen, werden aber für die jeweiligen Verantwortungsbereiche von Prüfzentrum und Sponsor geführt und enthalten nicht zwangsläufig dieselben Originale.

Regulatorische Referenzen

  • ICH E6(R3), Abschnitt C.2.3 – Bezeichnung des Repositoriums beim Prüfer oder der Institution als Investigator Site File.
  • ICH E6(R3), Abschnitte C.1.3 und C.2.4 bis C.2.8 – Zweck, Standort, zeitnahe Ablage, Zugang und Aufbewahrung wesentlicher Unterlagen.
  • EudraLex Volume 10, Kapitel V, Abschnitte 2 und 3 – organisierte Ablage wesentlicher Unterlagen an Sponsor- und Prüferstandort.
  • CDISC, Introducing the Investigator Site File v1 (Provisional) – vorläufiges Referenzmodell für Struktur und Ablage am Prüfzentrum.
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