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Glossar

CTCAE steht für Common Terminology Criteria for Adverse Events und ist das standardisierte System des National Cancer Institute zur Benennung und Einstufung unerwünschter Ereignisse in onkologischen Studien. Für jedes Ereignis beschreibt CTCAE Schweregrade von 1 bis 5, soweit diese für den jeweiligen Begriff definiert sind. Die Skala reicht von milden Ereignissen bis zum Tod im Zusammenhang mit dem unerwünschten Ereignis.

Aufbau des CTCAE-Systems

CTCAE enthält Ereignisbegriffe mit zugeordneten Schweregraddefinitionen und wird vom Cancer Therapy Evaluation Program des NCI bereitgestellt. Die Version 5.0 wurde am 27. November 2017 veröffentlicht; das NCI stellt inzwischen auch CTCAE v6.0 bereit. Welche Version im jeweiligen Protokoll maßgeblich ist, muss deshalb eindeutig angegeben werden.

Die Grade drücken nicht nur eine Wortskala aus, sondern sind je Ereignis an klinische Kriterien gebunden. Grad 1 bezeichnet milde, Grad 2 mäßige und Grad 3 schwere oder medizinisch bedeutsame Befunde; Grad 4 steht für lebensbedrohliche Konsequenzen mit dringender Intervention. Grad 5 bedeutet Tod im Zusammenhang mit dem unerwünschten Ereignis. Nicht jeder CTCAE-Begriff enthält alle Grade.

Bewertung von Ereignissen im Studienalltag

Eine CTCAE-Zuordnung benötigt eine ausreichend konkrete klinische Dokumentation, etwa zu Symptomen, Befunden, Interventionen und Funktionsbeeinträchtigung. Der Grad soll anhand der Definition des zutreffenden Terms vergeben werden, nicht aus einer allgemeinen Einschätzung abgeleitet werden. Wenn Befunde sich ändern, müssen Ereignisverlauf und höchster erreichter Grad zeitlich nachvollziehbar bleiben.

CTCAE unterstützt die vergleichbare Erfassung onkologischer Toxizitäten, ersetzt aber weder die medizinische Beurteilung noch die Kausalitätsbewertung. Ein Ereignis kann nach CTCAE schwer sein und dennoch nicht als schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis gelten; umgekehrt kann ein Ereignis mit niedrigerem CTCAE-Grad wegen Krankenhausaufnahme oder anderer Kriterien schwerwiegend sein. Diese beiden Achsen sind getrennt zu dokumentieren.

Abgrenzung zu MedDRA und GCP-Schweregrad

MedDRA ist eine medizinische Terminologie, mit der berichtete Ereignisse kodiert und hierarchisch ausgewertet werden. CTCAE ist kein zweites Wörterbuch über MedDRA, sondern eine onkologische Terminologie mit ereignisspezifischen Graddefinitionen. Die CTCAE-Begriffe sind nach MedDRA-Systemorganklassen organisiert, doch daraus folgt keine Gleichsetzung der Kodier- und Gradingfunktion.

Die GCP-relevante Schweregradbewertung eines Ereignisses betrifft seine Intensität; die Schwerwiegendkeitsprüfung fragt nach gesetzlichen Kriterien wie Tod, Lebensbedrohung oder Krankenhausaufnahme. CTCAE liefert eine standardisierte Intensitätseinstufung, entscheidet aber nicht allein über die Meldung als SAE. Der Eintrag unerwuenschtes-ereignis behandelt die allgemeine Sicherheitskategorie, während CTCAE die onkologische Gradinglogik konkretisiert.

Die Trennung der Begriffe „schwer“ und „schwerwiegend“ schützt vor einem häufigen Dokumentationsfehler. Ein CTCAE-Grad 3 kann medizinisch bedeutsam sein, ohne dass eines der Kriterien eines schwerwiegenden unerwünschten Ereignisses erfüllt ist. Ein Grad-2-Ereignis kann andererseits eine ungeplante Hospitalisierung auslösen und dann eine SAE-Bewertung erfordern. Der CTCAE-Grad ist zusätzlich von der Kausalitätsbeurteilung zu unterscheiden: Er bewertet die Intensität des Ereignisses, nicht den Zusammenhang mit der Studienbehandlung. Für Sicherheitslisten sollten daher Ereignisterm, CTCAE-Grad, Kausalität, Erwartetheit und SAE-Status als getrennte, prüfbare Angaben geführt werden. Gerade bei Immuntherapien kann diese Differenzierung die konsistente medizinische Bewertung zwischen Zentren erheblich erleichtern.

Für die Kodierung im Datenfluss kann neben CTCAE eine MedDRA-Zuordnung erforderlich sein. Beide Angaben müssen sich inhaltlich plausibel ergänzen, dienen aber unterschiedlichen Auswertungszwecken. Die Systemorganklassen in CTCAE erleichtern die medizinische Orientierung; sie machen aus CTCAE jedoch keine Lizenz- oder Versionierungsalternative zu MedDRA. Falls ein Ereignis in beiden Systemen geführt wird, sollte die Studienunterlage festlegen, welches Team den CTCAE-Term und welches Team die MedDRA-Kodierung verantwortlich prüft.

Bedeutung für klinische Studien

Der Prüfplan sollte CTCAE-Version, Verantwortlichkeiten für Grading und die Erfassung des Beginns, Endes und maximalen Grades festlegen. eCRFs müssen die zugehörige klinische Information aufnehmen, damit Datenmanagement und medizinisches Monitoring eine Plausibilitätsprüfung zwischen Term, Grad, Maßnahme und Verlauf vornehmen können. Bei Versionswechseln darf nicht unbemerkt mit verschiedenen Kriterien innerhalb derselben Auswertung gearbeitet werden.

Full-Service-CROs wie Mediconomics unterstützen bei der Übertragung der CTCAE-Vorgaben in Sicherheitsabschnitte, eCRFs und Datenprüfregeln. Sie schulen Projektteams zu der Trennung von CTCAE-Grad und SAE-Bewertung, koordinieren die medizinische Datenprüfung und unterstützen Medical Writing bei Tabellen, in denen Ereignisterme, höchste Grade, Häufigkeiten und schwerwiegende Ereignisse transparent auseinandergehalten werden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Grad 5 in CTCAE eine besonders schwere Intervention?

Nein. Grad 5 bezeichnet den Tod im Zusammenhang mit dem unerwünschten Ereignis. Grad 4 beschreibt dagegen lebensbedrohliche Konsequenzen, bei denen dringende Intervention angezeigt ist.

Kann ein CTCAE-Grad die SAE-Beurteilung ersetzen?

Nein. Das Grading misst die Intensität nach einer Termdefinition. Die Einstufung als schwerwiegend folgt zusätzlichen Meldekriterien und muss separat bewertet werden.

Weshalb muss die CTCAE-Version im Protokoll stehen?

CTCAE wird weiterentwickelt. Die benannte Version legt fest, welche Begriffe und Graddefinitionen für Erhebung, Datenprüfung und Analyse verwendet werden.

Regulatorische Referenzen

  • NCI Common Terminology Criteria for Adverse Events, Version 5.0 – enthält Ereignisterme und Graddefinitionen.
  • NCI CTCAE and AE Reporting – stellt Versionen und Materialien zur AE-Bewertung bereit.
  • ICH E6(R3) Good Clinical Practice – verankert die zuverlässige Erhebung und Meldung von Sicherheitsdaten.

Seite medizinisch geprüft von: Dr. Richard Smith (9. Oktober 2026)

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