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Glossar

Referenzmitgliedstaat und betroffener Mitgliedstaat

Referenzmitgliedstaat und betroffener Mitgliedstaat bezeichnen die Rollen nationaler Arzneimittelbehörden im Dezentralisierten Verfahren und im Verfahren der gegenseitigen Anerkennung. Der Referenzmitgliedstaat führt oder übermittelt die wissenschaftliche Bewertung; die betroffenen Mitgliedstaaten prüfen sie und entscheiden über die Anerkennung. Die Begriffe beschreiben damit Aufgaben in koordinierten nationalen Zulassungswegen, nicht Arten von Zulassungen.

Die Rolle des Referenzmitgliedstaats

Der Referenzmitgliedstaat, häufig RMS genannt, ist die Behörde, an der sich die gemeinsame fachliche Bewertung ausrichtet. Im Verfahren der gegenseitigen Anerkennung ist dies der Staat, der das Arzneimittel bereits national zugelassen hat. Er stellt den weiteren Staaten seine Bewertung des Produkts zur Verfügung. Seine Aufgabe umfasst damit die wissenschaftliche Einordnung des vorhandenen Dossiers und die Vermittlung dieser Grundlage in das Anerkennungsverfahren.

Im Dezentralisierten Verfahren besteht zu Beginn noch keine nationale Zulassung. Der Antragsteller schlägt einen Mitgliedstaat als Referenzmitgliedstaat vor; dieser übernimmt nach Zustimmung die erste Bewertung des Antrags. Er erstellt einen Entwurf des Bewertungsberichts und koordiniert die fachliche Kommunikation mit den übrigen Staaten. Der RMS ist deshalb weder bloß ein administrativer Empfänger noch ein Vertreter des Antragstellers, sondern eine zuständige nationale Behörde mit eigener Bewertungsverantwortung.

Der Referenzmitgliedstaat bildet die wissenschaftliche Schnittstelle, doch seine Position ist keine einseitige Erlaubnis für alle anderen Staaten. Er muss die Beratung, Fragen und begründeten Bedenken der betroffenen Mitgliedstaaten in den Prozess einbeziehen. Eine tragfähige Einigung setzt voraus, dass Bewertungsbericht, Fachinformation, Kennzeichnung und Packungsbeilage auf einer gemeinsamen fachlichen Grundlage stehen.

Die Rolle der betroffenen Mitgliedstaaten

Betroffene Mitgliedstaaten, häufig CMS genannt, sind im MRP die Staaten, die um Anerkennung der Zulassung des Referenzmitgliedstaats gebeten werden. Im DCP sind es alle teilnehmenden Staaten außer dem Referenzmitgliedstaat. Sie erhalten die Bewertung, prüfen das Dossier und die Produktinformationen und bringen Fragen oder Einwände ein. Bei erfolgreichem Abschluss erteilen sie jeweils eine nationale Genehmigung für das Inverkehrbringen.

Die CMS nehmen daher keine rein formale Gegenzeichnung vor. Ihre Prüfung soll sicherstellen, dass die gemeinsame Bewertung übernommen werden kann und dass die rechtlich erforderlichen nationalen Schritte vollzogen werden. Falls eine Behörde nicht zustimmen kann, muss der Unterschied fachlich und rechtlich bearbeitet werden. Die Koordinierungsstruktur dient dazu, divergierende Bewertungen nicht unverbunden nebeneinanderstehen zu lassen.

Abgrenzung zum zentralisierten Verfahren und zu Ausschussrollen

RMS und CMS sind Rollen innerhalb des Dezentralisierten Verfahrens und des Verfahrens der gegenseitigen Anerkennung. Im zentralisierten Verfahren gibt es keine Referenzmitgliedstaaten oder betroffenen Mitgliedstaaten: Die EMA organisiert die wissenschaftliche Bewertung, und die Europäische Kommission erteilt die unionsweit gültige Zulassung. Nationale Behörden wirken dort zwar in Ausschüssen und bei der Umsetzung mit, aber nicht als RMS oder CMS eines Dossiers.

Die Begriffe sind auch nicht mit Berichterstatter und Mitberichterstatter im Ausschuss der EMA gleichzusetzen. Diese übernehmen innerhalb einer zentralen Bewertung wissenschaftliche Aufgaben für einen Ausschuss. Der Referenzmitgliedstaat ist dagegen eine nationale Behörde im MRP oder DCP. Die genaue Rollenbezeichnung ist wichtig, weil Zuständigkeit, Kommunikationsweg und Entscheidungsebene davon abhängen.

Im Projektalltag sollte zudem zwischen der Behörde in ihrer RMS- oder CMS-Rolle und den nationalen organisatorischen Ansprechpartnern unterschieden werden. Der Antragsteller kann einen Referenzmitgliedstaat vorschlagen, die Übernahme der Rolle liegt aber bei der zuständigen Behörde. Auch die Zahl und Auswahl der betroffenen Mitgliedstaaten prägen Umfang, Sprachmanagement und Koordinierungsaufwand eines Antrags, ohne die Bewertungsrolle des RMS zu verändern.

Bedeutung für klinische Studien

Für klinische Entwicklungsprogramme beeinflusst die Wahl eines möglichen Referenzmitgliedstaats die regulatorische Vorbereitung eines MRP oder DCP. Die Dossierqualität muss eine fundierte Erstbewertung erlauben und zugleich die Prüfung durch mehrere betroffene Mitgliedstaaten tragen. Konsistente klinische Studienberichte, Tabellen, Sicherheitsauswertungen und Produktinformationen reduzieren das Risiko, dass unterschiedliche Fragen die gemeinsame Linie aufbrechen. Auch nach Studienende bleibt eine nachvollziehbare Datenherkunft für Antworten im Verfahren wesentlich.

Full-Service-CROs wie Mediconomics unterstützen bei der Dokumentationsplanung, der Qualitätssicherung klinischer Daten, dem Medical Writing, dem Datenmanagement und der regulatorischen Projektkoordination. Sie können Abstimmungen zwischen Sponsor, Prüfzentren und Fachfunktionen strukturieren und die Evidenz so aufbereiten, dass sie für den Referenzmitgliedstaat und die betroffenen Mitgliedstaaten nachvollziehbar und konsistent vorliegt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer bestimmt den Referenzmitgliedstaat im DCP?

Der Antragsteller schlägt einen Mitgliedstaat vor; dieser muss die Aufgabe als Referenzmitgliedstaat übernehmen.

Sind betroffene Mitgliedstaaten im DCP und MRP dieselben Rollen?

Ja. Es sind jeweils die teilnehmenden Staaten außer dem Referenzmitgliedstaat, deren genaue Ausgangslage sich zwischen DCP und MRP jedoch unterscheidet.

Erteilt der RMS die Zulassung für alle Staaten?

Nein. Er führt oder übermittelt die Bewertung. Jeder beteiligte Staat erteilt nach erfolgreicher Abstimmung seine nationale Genehmigung.

Regulatorische Referenzen

  • Richtlinie 2001/83/EG, Artikel 28 und 29 — regelt Bewertung, Anerkennung und Einwände der Mitgliedstaaten.
  • HMA, Medicines Approval System — definiert RMS und CMS in MRP und DCP.
  • CMDh, Best Practice Guide for the Reference Member State — beschreibt die Bewertungs- und Koordinierungsrolle des RMS.

Seite medizinisch geprüft von: Dr. Richard Smith (6. Oktober 2026)

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