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Investigator-Initiated Trial

Ein Investigator-Initiated Trial (IIT), auf Deutsch als prüferinitiiierte Studie bezeichnet, ist eine klinische Studie, die von einem Arzt, einer Forschungsgruppe oder einer akademischen Institution initiiert, geplant und gesponsert wird – nicht von einem pharmazeutischen Unternehmen oder einem Medizingerätehersteller. Der Prüfer übernimmt dabei gleichzeitig die Rolle des Sponsors im Sinne der EU-Verordnung Nr. 536/2014 (CTR) und trägt die volle regulatorische Verantwortung für Planung, Durchführung, Überwachung, Dokumentation und Berichterstattung der Studie. Prüferinitiiierte Studien sind ein wichtiger Baustein der unabhängigen klinischen Forschung und liefern häufig Evidenz, die industriegesponserte Studien aus wirtschaftlichen Gründen nicht generieren. Besonders in der akademischen Medizin und bei seltenen Erkrankungen sind IITs unverzichtbar für den wissenschaftlichen Fortschritt.

Abgrenzung: IIT vs. industriegesponserte Studie

Der wesentliche Unterschied zu einer industriegesponserter Studie liegt in der Verteilung von Verantwortung und Ressourcen. Bei einem IIT fungiert der Prüfer als Sponsor-Investigator und übernimmt alle Pflichten, die sonst ein pharmazeutisches Unternehmen trägt:

  • Einreichung der klinischen Prüfung bei der zuständigen Ethikkommission und Bundesoberbehörde (BfArM oder PEI) über das Clinical Trials Information System (CTIS)
  • Erstellung und Einreichung des Investigational Medicinal Product Dossier (IMPD), auch bei bereits zugelassenen Arzneimitteln
  • Verantwortung für Monitoring, Pharmacovigilanz und Meldung schwerwiegender unerwünschter Ereignisse (SAEs) sowie SUSARs an alle Beteiligten und CTIS
  • Verwaltung des Trial-Master-File und Sicherstellung der Datenintegrität gemäß ALCOA-Prinzipien
  • Finanzierung der Studie über Drittmittel, Stiftungen oder investigator-grants
  • Erstellung des Clinical Study Reports und ggf. Publikation der Ergebnisse in Peer-Reviewed-Journals

Industriegesponserte Studien hingegen werden vom Pharmaunternehmen initiiert, finanziert und regulatorisch gesteuert. Der Prüfer ist dort primär für die Rekrutierung, Behandlung und Dokumentation am Prüfzentrum verantwortlich, während der Sponsor die übergreifenden regulatorischen Pflichten trägt. Diese Arbeitsteilung fehlt beim IIT vollständig.

Regulatorischer Rahmen in der EU

Prüferinitiiierte Studien mit Arzneimitteln unterliegen in der Europäischen Union denselben regulatorischen Anforderungen wie industriegesponserte Studien. Seit vollständiger Anwendbarkeit der EU-Verordnung Nr. 536/2014 müssen IITs über das Clinical Trials Information System eingereicht und durch die zuständige Ethikkommission sowie Bundesoberbehörde genehmigt werden. In Deutschland sind je nach Prüfpräparat BfArM oder PEI eingebunden.

Besondere Herausforderungen für akademische Sponsoren entstehen durch folgende regulatorische Anforderungen:

  • Erstellung eines vollständigen IMPD, auch bei zugelassenen Arzneimitteln (vereinfachtes IMPD mit Verweis auf die Produktinformation möglich)
  • Laufende Pharmacovigilanz-Meldepflichten einschließlich SUSAR-Meldung an CTIS und Unterrichtung aller Prüfzentren innerhalb der gesetzlichen Meldefristen
  • GCP-konformes Monitoring durch qualifiziertes Personal mit entsprechender Ausbildung und dokumentierter Erfahrung
  • Anforderungen an Prüfmedikationslogistik, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit des Prüfpräparats gemäß Annex VI der CTR
  • Pflicht zur Berichterstattung von Studienergebnissen in CTIS innerhalb von zwölf Monaten nach Studienende (Art. 37 CTR)

Finanzierung und Interessenkonflikte

IITs spielen eine wichtige Rolle in der klinischen Forschung, insbesondere für Indikationen mit geringem kommerziellem Interesse wie seltene Erkrankungen (Orphan Diseases), pädiatrische Erkrankungen oder Kombinationstherapien bereits patentfreier Wirkstoffe. Sie ermöglichen unabhängige, interessenfreie Evidenzgenerierung und bilden häufig die Grundlage für Leitlinien-Empfehlungen nationaler und internationaler Fachgesellschaften.

Typische Finanzierungsquellen für IITs umfassen öffentliche Förderprogramme wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), EU-Horizon-Programme, Stiftungen sowie unrestricted grants von Pharmaunternehmen. Die Trennung zwischen einem unrestricted grant und einer gesponserten Studie ist regulatorisch und ethisch von zentraler Bedeutung: Erhält ein Pharmaunternehmen Einfluss auf Design, Datenauswertung oder Publikation, verliert die Studie ihren IIT-Charakter und wird zur industriegesponserter Studie mit weitreichenden Konsequenzen für Genehmigungspflichten und Interessenkonflikt-Deklarationen.

Bedeutung für klinische Studien

Aufgrund der umfangreichen regulatorischen Anforderungen stellt die Durchführung eines IIT akademische Einrichtungen und Prüfärzte vor erhebliche operative Herausforderungen. Die Anforderungen an Monitoring, Pharmacovigilanz und Dokumentation entsprechen vollständig denen großer Phase-III-Studien – bei häufig deutlich geringeren Ressourcen. Full-Service-CROs wie mediconomics unterstützen Sponsor-Investigatoren bei der Studienplanung, Regulatory-Affairs-Einreichungen über CTIS, dem GCP-konformen Monitoring und der Erstellung des Clinical Study Reports, damit sich Prüfer auf die wissenschaftliche Arbeit konzentrieren können.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche regulatorischen Pflichten hat ein Sponsor-Investigator bei einem IIT?

Ein Sponsor-Investigator übernimmt alle Pflichten eines Sponsors nach EU-Verordnung Nr. 536/2014: CTIS-Einreichung, IMPD-Erstellung, Pharmacovigilanz einschließlich SUSAR-Meldung, GCP-konformes Monitoring, Verwaltung des Trial-Master-File, Ergebnisberichterstattung in CTIS und Erstellung des Final Clinical Study Reports. Diese Pflichten sind identisch mit denen eines industriellen Sponsors und erfordern erhebliche Ressourcen und spezialisiertes Fachpersonal.

Kann ein Prüfarzt operative Aufgaben an ein CRO delegieren?

Ja. Der Sponsor-Investigator kann operative Aufgaben wie Monitoring, Pharmacovigilanz-Reporting oder Datenmanagement an eine Contract Research Organisation (CRO) delegieren. Die regulatorische Gesamtverantwortung verbleibt jedoch beim Sponsor-Investigator. Die Delegation muss schriftlich in einem Service Agreement festgehalten werden, das den GCP-Anforderungen gemäß ICH E6(R3) entspricht und klare Verantwortlichkeiten definiert.

Gilt die CTR-Verordnung 536/2014 auch für kleine akademische IITs?

Ja, sofern es sich um eine interventionelle klinische Prüfung mit Arzneimitteln handelt, gelten die Anforderungen der EU-Verordnung Nr. 536/2014 unabhängig von der Studiengröße oder dem akademischen Kontext. Ausgenommen sind nicht-interventionelle Studien (Beobachtungsstudien), die eigenen nationalen Regelungen unterliegen und keine CTR-Genehmigungspflicht auslösen.

Regulatorische Referenzen

  • EU-Verordnung Nr. 536/2014 (CTR) – Klinische Prüfungen von Humanarzneimitteln: Art. 2 (Definitionen), Art. 37 (Ergebnisberichterstattung), Annex VI (Prüfmedikation)
  • ICH E6(R3) – Good Clinical Practice (2023): Sponsor- und Prüferpflichten, Monitoring, Delegation
  • Arzneimittelgesetz (AMG) §§ 40–42b: Nationale Umsetzung der CTR-Anforderungen in Deutschland
  • EMA Guideline on Investigator Brochures for Non-commercial Clinical Trials (EMA/CHMP/91754/2011)
  • BMBF-Förderprogramm Klinische Studien: Anforderungen an akademische Sponsoren und Fördervoraussetzungen
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