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Clinical Trials Information System (CTIS)

Das Clinical Trials Information System (CTIS) ist die zentrale EU-weite Datenbank und das Einreichungsportal für klinische Prüfungen mit Humanarzneimitteln in der Europäischen Union. Es wurde im Rahmen der EU-Verordnung 536/2014 über klinische Prüfungen eingeführt und löst die bisherigen nationalen Systeme sowie die EudraCT-Datenbank schrittweise ab. CTIS ermöglicht Sponsoren, einen einzigen Antrag für klinische Prüfungen in mehreren EU-Mitgliedstaaten einzureichen, und schafft damit einen harmonisierten, transparenten Zulassungsprozess für ganz Europa.

Hintergrund und Rechtsgrundlage

Die EU-Verordnung 536/2014 trat am 31. Januar 2022 in Kraft und verpflichtet Sponsoren, alle neuen klinischen Prüfungen über CTIS einzureichen. Eine Übergangsfrist von drei Jahren ermöglichte die parallele Nutzung des alten nationalen Systems, diese endete am 31. Januar 2025. Seit diesem Datum müssen alle klinischen Prüfungen – ob neue Anträge oder laufende Studien – über CTIS geführt werden. Das System wird von der EMA in Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden der Mitgliedstaaten betrieben und ist über das EU-Portal öffentlich zugänglich. Ziel ist eine vollständige Transparenz: Alle wesentlichen Dokumente einer klinischen Prüfung – von der Genehmigung bis zum Abschlussbericht – sind öffentlich einsehbar, sofern keine berechtigten Vertraulichkeitsinteressen bestehen.

Einreichungsprozess und Rollenverteilung

Im CTIS-Workflow reicht der Sponsor einen einzigen Antrag für eine klinische Prüfung ein, der simultan von einem Berichterstattenden Mitgliedstaat (RMS) und allen betroffenen Mitgliedstaaten (MSCs) bewertet wird. Teil I des Antrags enthält die wissenschaftlich-regulatorischen Informationen (Prüfplan, IMPD, Prüferinformation) und wird vom RMS koordiniert bewertet. Teil II enthält die nationalen, ethisch-lokalen Aspekte (Informed Consent, Rekrutierungsmethoden, Patientenvergütung) und wird von den jeweiligen nationalen Behörden und Ethikkommissionen geprüft. Die Gesamtgenehmigungsfrist beträgt 45 Tage für unkomplizierte Studien, kann aber für komplexe Studien oder bei Rückfragen verlängert werden. CROs mit EU-Expertise unterstützen Sponsoren bei der technischen Einreichung, der Verwaltung von Arbeitsbereichen und der Kommunikation mit den Behörden im CTIS.

Transparenz und öffentliche Zugänglichkeit

Ein Kernprinzip von CTIS ist die umfassende Transparenz klinischer Forschung. Alle Antragsunterlagen, Genehmigungsentscheidungen, Protokolländerungen und Abschlussberichte werden im öffentlichen Teil des CTIS-Portals veröffentlicht. Dies stellt einen Paradigmenwechsel gegenüber dem bisherigen System dar, in dem viele Dokumente nicht öffentlich zugänglich waren. Ausnahmen sind möglich, wenn Vertraulichkeitsinteressen – z. B. kommerziell sensible Informationen – nachgewiesen werden. Die erhöhte Transparenz soll das Vertrauen in klinische Forschung stärken, Doppelstudien vermeiden und die Nachnutzung von Forschungsergebnissen erleichtern.

Eine besondere Herausforderung in CTIS ist das Management der nationalen Anforderungen in Teil II. Obwohl die Verordnung 536/2014 eine weitgehende Harmonisierung anstrebt, können Mitgliedstaaten in bestimmten Bereichen – wie Patientenentschädigung, Sprachversionen des Informed Consent oder nationaler Ethikkommissions-Anforderungen – eigene Vorgaben behalten. Sponsoren und CROs müssen diese nationalen Besonderheiten bei der Antragsgestaltung berücksichtigen, um Nachfragen und Verzögerungen zu vermeiden.

Herausforderungen bei der CTIS-Implementierung

Die Einführung von CTIS war mit erheblichen technischen und operativen Herausforderungen verbunden. Viele Sponsoren und CROs berichteten anfangs von Usability-Problemen, unklaren Workflow-Schritten und zeitintensiven Einarbeitungsphasen. Die EMA hat das System seit dem Go-live 2022 kontinuierlich weiterentwickelt und regelmäßig Updates eingespielt. Für CROs mit großem Studienportfolio bedeutet CTIS einen erheblichen Schulungs- und Prozessaufwand: Regulatory-Affairs-Teams müssen mit den Einreichungsworkflows, den Dokumentenformaten und den unterschiedlichen nationalen Anforderungen der beteiligten Mitgliedstaaten vertraut sein. Die vollständige Ablösung nationaler Systeme durch CTIS ist ein wesentlicher Schritt zur Harmonisierung der klinischen Forschung in Europa.

Die Migration bestehender EudraCT-Studien nach CTIS stellte für viele Sponsoren eine erhebliche operative Belastung dar. Besonders bei laufenden, komplexen Studien mit zahlreichen Protokollamendments und Zentren war die Datenmigration zeitaufwändig. CROs mit spezialisiertem CTIS-Know-how halfen ihren Kunden bei der technischen Umsetzung. Die EMA hat umfangreiche Trainings- und Support-Materialien bereitgestellt, um den Übergang zu erleichtern – darunter Live-Webinare, FAQs und ein dediziertes CTIS-Helpdesk.

Für die Zukunft plant die EMA eine weitere Integration von CTIS mit anderen EU-Systemen wie EUDAMED (Medizinprodukte) und dem European Health Data Space. Diese Vernetzung soll die Interoperabilität von Zulassungsdaten, Sicherheitsinformationen und Real-World-Evidence verbessern und die behördenübergreifende Datenanalyse erleichtern. Für Sponsoren und CROs bedeutet das: Investitionen in digitale Regulatory-Prozesse und CTIS-Kompetenz werden langfristig wettbewerbsentscheidend sein.

Häufig gestellte Fragen

Muss jede klinische Prüfung in der EU über CTIS eingereicht werden?

Seit dem 31. Januar 2025 gilt CTIS als einziger Einreichungsweg für alle interventionellen klinischen Prüfungen mit Humanarzneimitteln in EU-Mitgliedstaaten. Nicht-interventionelle Studien (NIS) und rein nationale Studien außerhalb des Anwendungsbereichs der Verordnung 536/2014 sind von dieser Pflicht ausgenommen. Sponsoren aus Drittländern (z. B. USA, Japan) benötigen für die Einreichung einen EU-Sponsor oder einen rechtlichen Vertreter mit EU-Sitz.

Was ist der Unterschied zwischen CTIS und EudraCT?

EudraCT war die bisherige EU-Datenbank für klinische Prüfungen, die eine nationale Einreichung in jedem betroffenen Mitgliedstaat erforderte. CTIS ersetzt EudraCT vollständig und ermöglicht eine einzige, harmonisierte Einreichung für alle EU-Mitgliedstaaten. EudraCT-Studien, die unter der alten Direktive 2001/20/EG genehmigt wurden, mussten bis zum 31. Januar 2025 nach CTIS migriert oder abgeschlossen sein.

Wie lange dauert die Genehmigung über CTIS?

Die reguläre Bewertungsfrist beträgt 45 Tage für Studien ohne spezifische Anforderungen. Für Studien mit ATMPs (Advanced Therapy Medicinal Products) oder anderen komplexen Arzneimitteln kann die Frist auf 90 Tage verlängert werden. Bei Rückfragen (Request for Information) wird die Uhr angehalten, bis der Sponsor antwortet. Gut vorbereitete Dossiers ohne offene Fragen werden erfahrungsgemäß deutlich schneller genehmigt.

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