Mediconomics – für individuelle CRO-Lösungen.

ALCOA+ Prinzipien

Die ALCOA+ Prinzipien sind ein Kriterienkatalog für vertrauenswürdige Aufzeichnungen und Daten in regulierten Tätigkeiten. ALCOA steht für attributable, legible, contemporaneous, original und accurate: Daten müssen einer Person oder einem System zuordenbar, lesbar, zeitnah erfasst, ursprünglich und korrekt sein. Die Erweiterung ergänzt Anforderungen, die Daten über ihren gesamten Lebenszyklus nutzbar und überprüfbar halten.

Die fünf ALCOA-Grundsätze

Zuordenbar bedeutet, dass erkennbar ist, wer eine Beobachtung vorgenommen, einen Wert eingegeben oder eine Änderung freigegeben hat. Lesbar verlangt, dass Einträge und zugehörige Metadaten während der Aufbewahrungszeit verständlich bleiben. Zeitnah bedeutet, dass die Aufzeichnung bei oder möglichst nahe an der tatsächlichen Beobachtung erfolgt. So lässt sich nachträgliches Rekonstruieren aus dem Gedächtnis vermeiden.

Ursprünglich bezieht sich auf den ersten dauerhaften Quelldatensatz oder eine zertifizierte Kopie, deren Vollständigkeit und Genauigkeit nachgewiesen ist. Korrekt verlangt, dass die Aufzeichnung die Beobachtung sachlich richtig wiedergibt. Bei einer Korrektur darf der ursprüngliche Eintrag nicht verdeckt werden; die Änderung muss nachvollziehbar und bei Bedarf erklärt sein. Diese Grundsätze gelten nicht nur für eCRF-Daten, sondern etwa auch für Laborbefunde, Einwilligungen, Schulungsnachweise und elektronische Signaturen.

Die Erweiterung zu ALCOA+

Als Erweiterung von ALCOA+ werden vollständig, konsistent, dauerhaft und bei Bedarf verfügbar verwendet. Vollständig heißt, dass alle relevanten Angaben einschließlich Änderungen, Begründungen und zugehöriger Metadaten vorhanden sind. Konsistent bedeutet, dass Daten, Zeitabläufe und Dokumentation nicht widersprüchlich sind und nach festgelegten Verfahren entstehen. Dauerhaft verlangt eine geeignete, beständige Aufbewahrung, während verfügbar sicherstellt, dass berechtigte Personen die Daten zur Prüfung, Auswertung oder Inspektion abrufen können.

Die EMA-Leitlinie zu computergestützten Systemen nennt zusätzlich traceable, also rückverfolgbar, und verwendet dafür die Bezeichnung ALCOA++. Rückverfolgbarkeit verbindet Datenwert und Kontext über den Lebenszyklus: Ursprung, Bearbeitung, Übermittlung und Archivierung müssen nachvollzogen werden können. ALCOA+ ist kein Ersatz für risikobasiertes Qualitätsmanagement. Die Prinzipien müssen in Arbeitsabläufen, Systemanforderungen, Schulungen, Prüfungen und Aufbewahrungsregeln praktisch umgesetzt werden.

Bei papierbasierten Aufzeichnungen wird dies beispielsweise durch nachvollziehbare Korrekturregeln, datierte Einträge und geschützte Archivierung unterstützt. In elektronischen Systemen kommen eindeutige Benutzerkonten, Zeitstempel, Berechtigungskonzepte, validierte Funktionen und die überprüfbare Aufbewahrung der Metadaten hinzu. Die Ausgestaltung soll sich an der Kritikalität der Daten und an den Risiken für Teilnehmendenschutz und Studienergebnisse orientieren. Sie wird regelmäßig risikobasiert überprüft.

Abgrenzung zu Datenintegrität

ALCOA+ Prinzipien und Datenintegrität sind eng verbunden, aber nicht gleichbedeutend. Datenintegrität ist das übergeordnete Ziel: Daten sollen für den vorgesehenen Zweck verlässlich sein und eine korrekte Berichterstattung, Verifikation und Interpretation erlauben. ALCOA+ beschreibt dagegen konkrete Qualitätsmerkmale, anhand derer sich dieses Ziel bewerten und in Anforderungen übersetzen lässt.

Die Differenz zeigt sich bei einem elektronischen System: Ein Wert kann zuordenbar und zeitnah eingegeben sein, ohne dass das System ausreichend gegen unberechtigten Zugriff geschützt oder seine Schnittstelle validiert ist. Umgekehrt sichern Validierung, Zugriffskontrollen, Sicherungskopien und ein Audit Trail die Datenintegrität mit ab, sind aber selbst keine ALCOA+-Eigenschaften. Erst das Zusammenwirken von Prinzipien, Governance und Kontrollen gewährleistet die Integrität der Studiendaten.

Bedeutung für klinische Studien

In klinischen Studien bieten ALCOA+ Prinzipien eine gemeinsame Prüflinse für Quelldaten, eCRF, zentrale Datenübertragungen und wesentliche Dokumente. Sie helfen, Schwachstellen früh zu erkennen, etwa unleserliche Papierdokumentation, fehlende Zeitangaben, unklare Zugriffsrechte oder nicht nachvollziehbare Korrekturen. ICH E6(R3) verlangt insbesondere, dass Quelldaten zuordenbar, lesbar, zeitnah, ursprünglich, korrekt und vollständig sind; die EMA bezieht diese Erwartungen ausdrücklich auf elektronische Daten über ihren Lebenszyklus.

Full-Service-CROs wie Mediconomics unterstützen bei der Übersetzung der Prinzipien in praxistaugliche Abläufe: durch eCRF- und Datenflussdesign, Schulung von Prüfzentren, Monitoring, Datenmanagement und die Prüfung von System- und Prozessdokumentation. Dazu zählen klare Vorgaben für Quelldokumentation und Datenkorrekturen, risikobasierte Kontrollen kritischer Daten, die Bewertung von Audit Trails sowie die nachvollziehbare Archivierung von Studiendaten und Metadaten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wofür steht das Plus bei ALCOA+?

Es ergänzt die fünf Grundsätze um vollständig, konsistent, dauerhaft und bei Bedarf verfügbar. In der EMA-Leitlinie wird zusätzlich die Rückverfolgbarkeit hervorgehoben und deshalb von ALCOA++ gesprochen.

Ist ein Ausdruck eines elektronischen Datensatzes immer ein Original?

Nicht automatisch. Ein Original ist der erste dauerhafte Quelldatensatz. Eine zertifizierte Kopie kann für Zwecke der Rekonstruktion und Prüfung akzeptabel sein, wenn ihre Vollständigkeit und Richtigkeit nachgewiesen sind.

Gelten ALCOA+ Prinzipien auch für automatisiert übertragene Daten?

Ja. Bei automatisierten Daten sind neben der Herkunft und dem Zeitpunkt insbesondere Schnittstellenspezifikationen, Validierung, Metadaten, Fehlerbehandlung und die Rückverfolgbarkeit der Übertragung wichtig.

Regulatorische Referenzen

  • ICH E6(R3), Good Clinical Practice — nennt Anforderungen an attribuierbare, lesbare, zeitnahe, ursprüngliche, korrekte und vollständige Quelldaten.
  • EMA/INS/GCP/112288/2023, Guideline on computerised systems and electronic data in clinical trials — erläutert ALCOA++ und Datenintegrität über den Datenlebenszyklus.
  • EudraLex Volume 4, Annex 11, Computerised Systems — fordert risikobasierte Kontrollen für Datenintegrität und Datenspeicherung.
  • 21 CFR Part 11, Electronic Records; Electronic Signatures — enthält ergänzende US-Anforderungen an elektronische Aufzeichnungen und Signaturen.
Nach oben scrollen