SEND, ausgeschrieben Standard for Exchange of Nonclinical Data, ist der CDISC-Standard für den Austausch und die Einreichung nichtklinischer Studiendaten. Er organisiert Tabulationsdatensätze aus präklinischen Untersuchungen in einer einheitlichen Struktur, die sich an SDTM anlehnt. SEND betrifft damit Daten aus Tier- und Laborstudien vor oder neben der klinischen Entwicklung, nicht Daten von Prüfungsteilnehmenden.
Damit wird die technische Vergleichbarkeit nichtklinischer Befunde über Projekt- und Organisationsgrenzen hinweg unterstützt.
Nichtklinische Daten in standardisierten Tabulationen
Der SEND Implementation Guide beschreibt, wie Daten aus Einzeldosis- und Wiederholungsdosis-Toxikologie, Karzinogenität sowie respiratorischen und kardiovaskulären Sicherheitspharmakologiestudien strukturiert werden können. Weitere Leitfäden adressieren besondere Untersuchungsarten, etwa Entwicklungs- und Reproduktionstoxikologie, genetische Toxikologie oder Studien nach der Animal Rule. Der Ausgangspunkt sind nichtklinische Befunde, Beobachtungen und Messwerte, die in standardisierte Datensätze überführt werden.
Im Datenfluss liegt SEND nach der Durchführung und Auswertung der einzelnen nichtklinischen Studie, aber vor dem elektronischen Austausch mit anderen Organisationen oder der Behördeneinreichung. Seine tabellarische Form erlaubt es, Studien verschiedener Labore und Auftraggeber auf eine vergleichbare Prüfebene zu bringen. Der Standard verändert nicht den GLP-Status eines Versuchs und ersetzt keine Studienplanung oder toxikologische Interpretation.
Beziehung zu SDTM und Konformitätsregeln
SEND basiert auf dem SDTM-Modell, wird jedoch mit nichtklinischen Domänen und Umsetzungsvorgaben für seinen eigenen Anwendungsbereich konkretisiert. CDISC entwickelt jeden SEND Implementation Guide in Bezug auf ein bestimmtes SDTM-Modell. Diese gemeinsame Modellbasis schafft verwandte Prinzipien für Organisation, Variablen und Metadaten, ohne klinische und nichtklinische Datensätze gleichzusetzen.
CDISC veröffentlicht zusätzlich Konformitätsregeln, die die technische Prüfung von SENDIG-Datensätzen unterstützen. Solche Regeln können Format- oder Strukturabweichungen erkennen, beurteilen aber nicht vollständig, ob ein Datensatz den gesamten fachlichen Umfang einer Studie richtig repräsentiert. Für eine Lieferung bleiben daher die Kenntnisse über Studiendesign, Spezies, Dosisgruppen, Zeitpunkte und Endpunkte unerlässlich.
Nichtklinische Studien erzeugen heterogene Daten: Tieridentifikationen, Testartikel, Dosisgruppen, makroskopische und mikroskopische Befunde sowie Befunde aus Sicherheitspharmakologie müssen im richtigen Studienkontext interpretiert werden. SEND stellt dafür die Struktur bereit, mit der solche Informationen samt Metadaten übermittelt werden. Die eigentliche toxikologische Schlussfolgerung wird jedoch aus Studiendaten, Studienbericht und wissenschaftlicher Bewertung gezogen, nicht allein aus einem Datenformat.
Für den Austausch ist die vollständige Beschreibung der Datensätze besonders wichtig. Die FDA nennt Define-XML für die Metadaten eingereichter SEND-Datensätze. Ein technisches Paket muss daher neben den Tabellen erklären, welche Variablen, kontrollierten Werte und herkunftsbezogenen Regeln verwendet wurden. So können Datenprüfer die nichtklinischen Inhalte ohne Kenntnis lokaler Laborbezeichnungen einordnen.
Abgrenzung zu SDTM, präklinischer Entwicklung und GLP
SDTM beschreibt klinische Tabulationsdaten aus Studien am Menschen; SEND richtet sich an die nichtklinischen Tier- und Laborstudien, die etwa toxikologische Eigenschaften eines Wirkstoffs untersuchen. Beide Standards verwenden verwandte Modellprinzipien, dienen jedoch verschiedenen Datenräumen und Einreichungskontexten. Ein SEND-Datensatz ist deshalb keine alternative Bezeichnung für einen SDTM-Datensatz.
SEND ist außerdem weder eine Studienphase noch eine Qualitätsnorm. Die präklinische Entwicklung bezeichnet den Entwicklungsabschnitt mit nichtklinischen Untersuchungen. GLP, Good Laboratory Practice, regelt Qualitätsanforderungen für bestimmte Studienarten. SEND definiert demgegenüber ein Datenformat und die dazugehörige Struktur, mit der die Ergebnisse einer solchen Studie bereitgestellt werden können.
Die Auswahl eines SENDIG richtet sich nach dem Studientyp und den zu übermittelnden Befunden. Werden mehrere nichtklinische Studienarten kombiniert, muss jede Datenlieferung gegen den einschlägigen Leitfaden und die vorgesehenen Metadaten geprüft werden.
Eine sorgfältige Vorprüfung vor der Übermittlung reduziert technische Rückfragen während der Behördenprüfung.
Bedeutung für klinische Studien
Obwohl SEND vor allem die nichtklinische Entwicklung betrifft, beeinflusst es klinische Programme über die regulatorische Vorbereitung eines Prüfarzneimittels. Toxikologische Studien müssen mit ihren Metadaten, Tieren, Dosisgruppen, Proben und Befunden so vorliegen, dass eine Behörde die Sicherheitsbasis nachvollziehen kann. Relevante Projektaufgaben liegen in der Abstimmung mit Auftragslaboren, dem Abgleich von SEND-Spezifikationen und Studiendokumentation sowie in der Prüfung, ob die gelieferten Datensätze den gewählten Leitfäden entsprechen.
Full-Service-CROs wie Mediconomics unterstützen SEND-bezogene Arbeit durch Koordination der Datenübergaben mit nichtklinischen Dienstleistern, Review von Datenlieferplänen, Qualitätsprüfung der SEND-Pakete und Zusammenführung mit den regulatorischen Einreichungsunterlagen. Bei Übergängen zur First-in-Human-Planung können sie zudem sicherstellen, dass die nichtklinischen Sicherheitsdaten und ihre Beschreibungen in den relevanten Dossiers konsistent referenziert sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Werden Daten aus einer klinischen Phase-I-Studie in SEND geliefert?
Nein. Humanstudien werden für die tabellarische Einreichung in der Regel nach SDTM strukturiert. SEND bezieht sich auf nichtklinische Untersuchungen.
Ist SEND nur für Toxikologie bestimmt?
Der Kernbereich umfasst mehrere nichtklinische Studienarten, darunter allgemeine Toxikologie und Sicherheitspharmakologie. CDISC stellt zudem zusätzliche Leitfäden für besondere Datentypen bereit.
Macht ein SEND-Format eine GLP-Inspektion entbehrlich?
Nein. SEND standardisiert den Datenaustausch. Die Einhaltung von GLP und die Bewertung der Studiendurchführung werden dadurch weder ersetzt noch automatisch nachgewiesen.
Regulatorische Referenzen
- CDISC Standard for Exchange of Nonclinical Data – definiert die Grundstruktur nichtklinischer Tabulationsdaten.
- CDISC SEND Implementation Guides – konkretisieren SEND für allgemeine und spezielle nichtklinische Studienarten.
- CDISC SEND Conformance Rules – unterstützen die technische Konformitätsprüfung von SEND-Datensätzen.
- FDA Study Data Technical Conformance Guide – ordnet SEND den nichtklinischen toxikologischen Tabulationsdaten zu.