Die ICMJE-Autorschaftskriterien bestimmen, wer bei einer biomedizinischen Publikation als Autor genannt werden soll. Das International Committee of Medical Journal Editors verlangt vier Bedingungen, die alle gemeinsam erfüllt sein müssen: einen wesentlichen fachlichen Beitrag, die Mitarbeit am Text, die Zustimmung zur finalen Fassung und die Bereitschaft, Verantwortung für die Arbeit zu übernehmen. Die Kriterien trennen Autorschaft von anderen wertvollen Beiträgen zur Publikation.
Die vier kumulativen Voraussetzungen
Die erste Voraussetzung ist ein substanzieller Beitrag zur Konzeption oder zum Design der Arbeit oder zur Gewinnung, Analyse oder Interpretation von Daten. Zweitens muss die Person den Artikel verfassen oder ihn inhaltlich kritisch überarbeiten. Drittens ist die Freigabe der zu veröffentlichenden Fassung erforderlich. Viertens muss ein Autor einstehen wollen, dass Fragen zur Genauigkeit oder Integrität eines Teils der Arbeit angemessen untersucht und geklärt werden.
Keine dieser Voraussetzungen ersetzt die andere. Wer nur Daten erhoben hat, ohne an Text, Endfassung und Rechenschaft mitzuwirken, erfüllt die gesamte Kombination nicht. Umgekehrt genügt es nicht, ein Manuskript sprachlich zu kommentieren, wenn kein wesentlicher wissenschaftlicher Beitrag vorliegt. Die ICMJE fordert zugleich, dass jede Person, die alle vier Kriterien erfüllt, als Autor identifiziert wird.
Verantwortung, Beiträge und Autorenreihenfolge
Diejenigen, die die Arbeit durchführen, sollen festlegen, wer die Voraussetzungen erfüllt; idealerweise beginnt diese Klärung bereits bei der Planung und wird bei fortschreitender Arbeit aktualisiert. Die Gesamtgruppe der Autoren entscheidet über die Reihenfolge der Namen. Zeitschriftenredaktionen sollen weder Autorschaftskonflikte schlichten noch selbst bestimmen, wer als Autor qualifiziert ist; bei ungelösten Streitigkeiten sind die beteiligten Institutionen zuständig.
Für Originalarbeiten empfiehlt das ICMJE Richtlinien zur Darstellung individueller Beiträge. Damit erhalten auch Personen Anerkennung, deren Leistung für ein Projekt wichtig war, aber nicht alle Kriterien der Autorschaft erfüllt. Änderungen an der Autorenliste nach Einreichung oder Veröffentlichung verlangen nach den ICMJE-Empfehlungen eine Begründung und unterschriebene Zustimmungserklärungen der Betroffenen und der bereits genannten Autoren.
Abgrenzung: Autorschaft und redaktionelle Unterstützung
Medical Writing, redaktionelle Koordination, sprachliche Überarbeitung oder administrative Unterstützung sind nicht automatisch Autorschaft. Eine Person, die diese Leistungen erbringt, kann Autor sein, wenn sie zusätzlich alle vier ICMJE-Kriterien erfüllt. Fehlen insbesondere ein wesentlicher wissenschaftlicher Beitrag oder die Übernahme der Autorverantwortung, kommt eine Anerkennung als Beitragender statt einer Autorenzeile in Betracht.
Die Abgrenzung schützt vor zwei gegensätzlichen Fehlern: Ghost Authorship verschleiert substanzielle wissenschaftliche Mitwirkung, während Guest oder Gift Authorship Namen ohne die nötige Beteiligung aufwertet. Der bestehende Begriff medical-writing beschreibt eine Fachleistung; die ICMJE-Autorschaftskriterien beurteilen dagegen die Rolle einer Person im Verhältnis zu einem konkreten Publikationswerk.
Die vierte Bedingung erweitert Autorschaft über die Zuständigkeit für den eigenen Absatz hinaus. Autoren sollen auf Fragen zur Integrität der gesamten Arbeit reagieren und daran mitwirken, dass Zweifel untersucht werden. Bei multizentrischen Studien heißt das nicht, dass jeder Autor jeden Datensatz selbst geprüft haben muss. Erforderlich ist jedoch die Bereitschaft, die Klärung innerhalb der Autorengruppe und mit den zuständigen Stellen nicht anderen zu überlassen.
Die Kriterien gelten nicht nur für die Erstautorschaft, sondern für jeden Namen in der Autorenzeile. Sie verlangen auch keine bestimmte Anzahl von Autoren oder eine feste Rangfolge. Bei großen Kollaborationen kann eine Gruppenautorschaft verwendet werden, sofern die Personen, die Verantwortung übernehmen, identifizierbar sind. Das Ziel ist nicht, Mitwirkung zu begrenzen, sondern Anerkennung und Rechenschaft an dieselben klaren Voraussetzungen zu knüpfen.
Bedeutung für klinische Studien
Bei Studienpublikationen arbeiten Prüfärzte, Sponsor, Biostatistik, Datenmanagement und Autoren oft über lange Zeit zusammen. Die Autorschaft kann sich verändern, wenn sich Beiträge zur Analyse, Interpretation oder Überarbeitung verschieben. Eine früh dokumentierte Beitragsmatrix erleichtert es, vor der Manuskripteinreichung zu prüfen, wer die vier Bedingungen vollständig erfüllt und wer im Danksagungs- oder Beitragsabschnitt benannt werden sollte.
Full-Service-CROs wie Mediconomics unterstützen die Einhaltung der ICMJE-Kriterien, indem sie Beitragsrollen, Reviewzyklen und Freigaben im Publikationsplan nachvollziehbar koordinieren. Medical Writing kann Autoren bei der Strukturierung und kritischen Überarbeitung eines Manuskripts unterstützen, ohne die Verantwortung der Autoren zu übernehmen. Das Projektteam kann außerdem sicherstellen, dass die finale Fassung von allen Autoren freigegeben und die Verantwortlichkeitsregel im Autorenkreis geklärt wurde.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Reicht die Rekrutierung von Studienteilnehmenden für eine ICMJE-Autorschaft aus?
Allein reicht sie nicht. Entscheidend ist, ob zusätzlich die drei weiteren Kriterien zur Textarbeit, Endfreigabe und Verantwortungsübernahme erfüllt werden.
Darf ein professioneller Medical Writer als Autor genannt werden?
Ja, wenn die Person alle vier ICMJE-Kriterien erfüllt. Andernfalls soll die Unterstützung transparent als Beitrag anerkannt werden.
Wer entscheidet bei einem Konflikt über die Autorenliste?
Die Autoren sollen die Frage gemeinsam klären. Kann keine Einigung erzielt werden, verweist ICMJE auf die Institutionen, an denen die Arbeit durchgeführt wurde.
Regulatorische Referenzen
- ICMJE Recommendations — Enthalten die Kriterien für Autoren und andere Beitragende.
- ICMJE „Defining the Role of Authors and Contributors“ — Beschreibt die vier kumulativen Bedingungen.
- GPP 2022 — Ergänzt die Autorschaftsgrundsätze für unternehmensfinanzierte biomedizinische Publikationen.
- Declaration of Helsinki — Verlangt die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen und Angaben zu Finanzierung sowie Interessenkonflikten.