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Glossar

ATC-Klassifikation und definierte Tagesdosis

Die ATC-Klassifikation und die definierte Tagesdosis bilden zusammen die WHO-Methodik zur Beschreibung und quantitativen Auswertung des Arzneimittelverbrauchs. ATC ordnet Wirkstoffe nach anatomischem Wirkungsort sowie therapeutischen, pharmakologischen und chemischen Eigenschaften in eine fünfstufige Hierarchie ein. Die definierte Tagesdosis, kurz DDD, ist die zu einem ATC-Code festgelegte technische Maßeinheit für Verbrauchsanalysen.

Die fünf Ebenen der ATC-Klassifikation

Auf der ersten Ebene stehen vierzehn anatomische oder pharmakologische Hauptgruppen. Die zweite Ebene bezeichnet eine therapeutische oder pharmakologische Untergruppe; die dritte und vierte Ebene können chemische, pharmakologische oder therapeutische Untergruppen ausdrücken. Die fünfte Ebene kennzeichnet den chemischen Wirkstoff. Für den Stoffnamen wird nach WHO-Grundsätzen vorzugsweise der International Nonproprietary Name verwendet.

Die Hierarchie erlaubt, Arzneimittelverbrauch je nach Fragestellung auf Wirkstoff-, Untergruppen- oder Hauptgruppenebene zusammenzufassen. Ein Wirkstoff erhält grundsätzlich einen ATC-Code je Arzneimittelprodukt, wobei Applikationsweg und in einzelnen Fällen auch Stärke relevant sind. Mehrere Codes können entstehen, wenn derselbe Stoff über unterschiedliche Wege angewendet wird oder unterschiedliche therapeutische Anwendungen eine gesonderte Zuordnung rechtfertigen.

Der Code ist keine Bewertung der therapeutischen Gleichwertigkeit. Eine gemeinsame Untergruppe kann für eine pharmakologische Betrachtung nützlich sein, obwohl sich zugelassene Anwendungsgebiete, Kontraindikationen oder Studiendosierungen der enthaltenen Wirkstoffe deutlich unterscheiden. Wer ATC-Gruppen in einer Analyse zusammenfasst, muss daher ausdrücklich begründen, auf welcher Hierarchieebene die Fragestellung sinnvoll beantwortet werden kann.

DDD als Maßeinheit für Verbrauchsdaten

Die DDD ist die angenommene durchschnittliche tägliche Erhaltungsdosis eines Arzneimittels bei seiner Hauptindikation für Erwachsene. Sie macht Mengen unabhängig von Preis, Währung, Packungsgröße und Wirkstärke vergleichbar. DDDs werden nur Arzneimitteln mit ATC-Code zugeordnet. Das WHO Collaborating Centre for Drug Statistics Methodology am Norwegian Institute of Public Health entwickelt und pflegt sowohl die Klassifikation als auch die DDD-Festlegungen.

Aus Abgabemengen, Verordnungsdaten oder Verbrauchsdaten können Kennzahlen wie DDD je 1.000 Einwohner und Tag gebildet werden. Solche Kennzahlen zeigen Mengenmuster, nicht unmittelbar die Zahl behandelter Personen oder die Qualität einer Therapie. Änderungen einer DDD oder eines ATC-Codes müssen deshalb bei Zeitreihen berücksichtigt werden, weil sie die Vergleichbarkeit der berechneten Werte beeinflussen können.

Die Zuordnung von Klassifikation und Maßeinheit ist methodisch bewusst gekoppelt: Erst der ATC-Code bestimmt, zu welchem Wirkstoff oder Arzneimittelprodukt eine DDD gehört. Für Kombinationen oder Produkte ohne DDD sind die Regeln des WHO Collaborating Centre separat zu beachten. Eine Auswertung muss daher ihre zugrunde liegende ATC-/DDD-Version, die Datenquelle und den gewählten Nenner offenlegen, damit andere die Verbrauchskennzahl korrekt interpretieren können.

Abgrenzung zu verordneter und empfohlener Dosis

Die DDD ist weder die empfohlene Dosierung in der Fachinformation noch die tatsächlich von einem Patienten eingenommene Tagesmenge. Sie ist eine Rechengröße für die Arzneimittelverbrauchsforschung. Das WHO Collaborating Centre weist ausdrücklich darauf hin, dass eine DDD eine Dosis sein kann, die selten oder nie verschrieben wird, weil sie aus mehreren üblichen Dosierungen abgeleitet wurde.

Davon abzugrenzen ist die Prescribed Daily Dose, PDD. Sie beschreibt die durchschnittlich verordnete Dosis auf Basis einer repräsentativen Verordnungsstichprobe. Besonders bei Kindern, bei Niereninsuffizienz, bei individuell titrierten Arzneimitteln oder bei anderen Indikationen kann die PDD deutlich von der DDD abweichen. Eine DDD-basierte Auswertung darf daher keine Dosierempfehlung für die Behandlung einzelner Patienten ersetzen.

Auch klinische Leitlinien und Fachinformationen verfolgen einen anderen Zweck. Sie richten Dosierung und Behandlungsentscheidung an Indikation, Patientengruppe, Nutzen-Risiko-Bewertung und gegebenenfalls Behandlungsdauer aus. Die DDD abstrahiert gerade von diesen individuellen Faktoren, damit aggregierte Verbrauchsmengen methodisch vergleichbar werden.

Bedeutung für klinische Studien

In klinischen Studien hilft die ATC-Kodierung vor allem bei der strukturierten Auswertung von Begleitmedikation und bei späteren Analysen zur Arzneimittelanwendung. Der gewählte Code muss zum Wirkstoff, zur Darreichungsform und gegebenenfalls zum Verabreichungsweg passen. Für Protokollangaben, Prüfpräparatdosierung und individuelle Dosisanpassungen ist dagegen die klinisch begründete Dosierungsbeschreibung maßgeblich, nicht die DDD.

Full-Service-CROs wie Mediconomics unterstützen bei der Spezifikation der Begleitmedikation, bei der Zuordnung von Wirkstoffen zu ATC-Codes, bei der Prüfung von Codeänderungen über Studienlaufzeiten und bei der Erstellung auswertbarer Medication-Datensätze. Für sekundäre Analysen können sie DDD-basierte Kennzahlen definieren und deren Einschränkungen im statistischen Analyseplan sowie im klinischen Studienbericht transparent erläutern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist der ATC-Code einem Handelsnamen zugeordnet?

Die Klassifikation richtet sich auf Wirkstoffe und ihre therapeutischen, pharmakologischen sowie chemischen Eigenschaften. Ein Handelsname ist daher nicht die Einheit, die die fünfte ATC-Ebene bestimmt.

Warum kann ein Wirkstoff mehrere ATC-Codes haben?

Unterschiedliche Applikationswege oder klar getrennte therapeutische Anwendungen können eine getrennte Einordnung erforderlich machen. Die konkrete Klassifikation folgt den Regeln des WHO Collaborating Centre.

Kann die DDD für eine pädiatrische Dosierung genutzt werden?

Nein. Die DDD bezieht sich definitionsgemäß auf die angenommene durchschnittliche Erhaltungsdosis für Erwachsene bei der Hauptindikation. Sie ist keine patientenbezogene Dosisempfehlung.

Regulatorische Referenzen

  • WHO, ATC Classification — beschreibt Hierarchie und Zuordnungsprinzipien der Wirkstoffklassifikation.
  • WHO, Defined Daily Dose — definiert die DDD als technische Verbrauchsmaßeinheit.
  • WHO, ATC/DDD Methodology — benennt das WHO Collaborating Centre als zuständige Pflegeinstanz.

Seite medizinisch geprüft von: Dr. Richard Smith (2. Oktober 2026)

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