Synonyme: SUSAR, verdächtige unerwartete schwerwiegende Nebenwirkung
Definition: Eine SUSAR ist eine vermutete (kausalitätsverdächtige) Arzneimittelreaktion in einer klinischen Prüfung, die sowohl schwerwiegend (serious) als auch unerwartet (unexpected) ist, bezogen auf die Referenzsicherheitsinformation (z. B. Investigator’s Brochure oder SmPC), und daher einer beschleunigten Sicherheitsmeldung unterliegt.
Bestandteile der Definition: suspected, unexpected, serious
Suspected bedeutet, dass ein Zusammenhang mit dem Prüfpräparat zumindest möglich erscheint (z. B. „related“ oder „possibly related“). Unexpected heißt, dass Art oder Schweregrad nicht mit der Referenzsicherheitsinformation übereinstimmen. Serious bezieht sich auf Kriterien wie Tod, Lebensgefahr, stationäre Aufnahme/Verlängerung, bleibende Schäden, kongenitale Anomalien oder andere medizinisch bedeutsame Ereignisse.
Warum sind SUSARs regulatorisch relevant?
SUSARs sind Signale für neue, potenziell schwerwiegende Risiken. Behörden und Ethikkommissionen erwarten daher eine schnelle Meldung, damit Schutzmaßnahmen (z. B. Protokolländerungen, Aktualisierung der Einwilligung, Studienunterbrechung) geprüft werden können. Ein konsistenter Meldeprozess ist ein Kernbestandteil des Safety Management in klinischen Studien.
Meldewege und typische Fristen
In vielen regulatorischen Rahmenwerken gelten beschleunigte Fristen, z. B. 7 Tage für tödliche oder lebensbedrohliche SUSARs (mit Nachmeldung weiterer Informationen) und 15 Tage für andere SUSARs. Die konkrete Umsetzung erfolgt über Systeme wie EudraVigilance/CTIS bzw. nationale Meldewege, abhängig von Region und Studiendesign.
Praktische Umsetzung im Safety Management
Für die Einstufung wird meist ein definierter Workflow verwendet: Erfassung des Ereignisses als AE/SAE, medizinische Bewertung, Kausalitätsbeurteilung, Prüfung der Erwartetheit gegen die Referenzsicherheitsinformation sowie Erstellung und Versand eines Expedited Reports. Wichtig sind klare Verantwortlichkeiten zwischen Sponsor, CRO und Prüfzentrum sowie eine saubere Dokumentation der Entscheidungsgrundlagen.
Im Qualitätsmanagement bewährt sich ein klarer Trace zwischen Spezifikation, Methode, Ergebnis und Freigabeentscheidung. So kann bei Abweichungen schnell beurteilt werden, ob ein Risiko für Patientensicherheit, Wirksamkeit oder Dateninterpretation besteht und welche CAPA-Maßnahmen notwendig sind.
Auch Schnittstellen sind relevant: Wenn mehrere Parteien beteiligt sind (z. B. Sponsor, Hersteller, Auftragslabor), sollten Verantwortlichkeiten, Prüfpläne, Datenformate und Review-Schritte vertraglich und prozessual abgestimmt sein. Das verringert das Risiko inkonsistenter Bewertungen.
Bei der Erstellung und Prüfung solcher Dokumente spielen auch Data-Integrity-Prinzipien eine Rolle (ALCOA+): Daten sollten zuordenbar, lesbar, zeitnah, originalgetreu und korrekt sein. Das hilft, Abweichungen nachvollziehbar zu untersuchen und die Nachvollziehbarkeit über den Lebenszyklus eines Produkts oder einer Studie sicherzustellen.
Praxis-Hinweis: Bei der Dokumentation und Meldung in regulierten Umgebungen sollten Definitionen, Rollen (Sponsor, CRO, Zentrum) und Fristen in SOPs eindeutig festgelegt sein. Eine konsistente Anwendung verbessert die Vergleichbarkeit von Daten und reduziert Rückfragen bei Audits und Inspektionen.
Für die Qualitätssicherung ist außerdem wichtig, dass die zugrunde liegenden Primärdaten (z. B. Laborrohdaten, medizinische Befunde, Zeitbezug, Dosisinformationen) nachvollziehbar verfügbar sind. Zusammenfassende Dokumente sind hilfreich, ersetzen aber nicht die lückenlose Datenintegrität und die kontrollierte Dokumentenlenkung.
In der Praxis entstehen viele Fehler durch uneinheitliche Begriffsnutzung oder unklare Abgrenzungen. Ein kurzer Definitions-Check (Was ist der Trigger? Welche Kriterien gelten? Wer entscheidet final?) hilft, Prozesse zu stabilisieren und die interne Kommunikation zu vereinfachen.
Wenn sich während eines Projekts Spezifikationen, Referenzinformationen oder Meldewege ändern, sollten diese Änderungen versioniert und kommuniziert werden. Damit ist nachvollziehbar, welche Regeln zu welchem Zeitpunkt galten, und wie Entscheidungen begründet wurden.
Im Qualitätsmanagement bewährt sich ein klarer Trace zwischen Spezifikation, Methode, Ergebnis und Freigabeentscheidung. So kann bei Abweichungen schnell beurteilt werden, ob ein Risiko für Patientensicherheit, Wirksamkeit oder Dateninterpretation besteht und welche CAPA-Maßnahmen notwendig sind.
Auch Schnittstellen sind relevant: Wenn mehrere Parteien beteiligt sind (z. B. Sponsor, Hersteller, Auftragslabor), sollten Verantwortlichkeiten, Prüfpläne, Datenformate und Review-Schritte vertraglich und prozessual abgestimmt sein. Das verringert das Risiko inkonsistenter Bewertungen.
Bei der Erstellung und Prüfung solcher Dokumente spielen auch Data-Integrity-Prinzipien eine Rolle (ALCOA+): Daten sollten zuordenbar, lesbar, zeitnah, originalgetreu und korrekt sein. Das hilft, Abweichungen nachvollziehbar zu untersuchen und die Nachvollziehbarkeit über den Lebenszyklus eines Produkts oder einer Studie sicherzustellen.
Praxis-Hinweis: Bei der Dokumentation und Meldung in regulierten Umgebungen sollten Definitionen, Rollen (Sponsor, CRO, Zentrum) und Fristen in SOPs eindeutig festgelegt sein. Eine konsistente Anwendung verbessert die Vergleichbarkeit von Daten und reduziert Rückfragen bei Audits und Inspektionen.
Für die Qualitätssicherung ist außerdem wichtig, dass die zugrunde liegenden Primärdaten (z. B. Laborrohdaten, medizinische Befunde, Zeitbezug, Dosisinformationen) nachvollziehbar verfügbar sind. Zusammenfassende Dokumente sind hilfreich, ersetzen aber nicht die lückenlose Datenintegrität und die kontrollierte Dokumentenlenkung.
In der Praxis entstehen viele Fehler durch uneinheitliche Begriffsnutzung oder unklare Abgrenzungen. Ein kurzer Definitions-Check (Was ist der Trigger? Welche Kriterien gelten? Wer entscheidet final?) hilft, Prozesse zu stabilisieren und die interne Kommunikation zu vereinfachen.
Wenn sich während eines Projekts Spezifikationen, Referenzinformationen oder Meldewege ändern, sollten diese Änderungen versioniert und kommuniziert werden. Damit ist nachvollziehbar, welche Regeln zu welchem Zeitpunkt galten, und wie Entscheidungen begründet wurden.
FAQ
Ist jede SAE automatisch eine SUSAR?
Nein. Eine SUSAR ist nur dann gegeben, wenn zusätzlich zur Schwerwiegigkeit sowohl ein Verdacht auf Kausalität besteht als auch das Ereignis in Art/Schweregrad unerwartet ist.
Wogegen wird „Unexpectedness“ geprüft?
Gegen die Referenzsicherheitsinformation (RSI), typischerweise die Investigator’s Brochure (für IMPs) oder die SmPC/Label-Information (bei zugelassenen Arzneimitteln in bestimmten Setups).
Wer entscheidet, ob ein Fall eine SUSAR ist?
Der Sponsor (oft über Medical Monitor/Pharmakovigilanz) trifft die finale Bewertung, üblicherweise basierend auf Informationen des Prüfarztes und ggf. Rückfragen.
Welche Informationen sind für die Meldung wichtig?
Mindestens identifizierbarer Patient, identifizierbarer Melder, verdächtigtes Arzneimittel und ein beschriebenes Ereignis. Zusätzlich helfen Zeitverlauf, Dosis, Begleitmedikation und relevante Befunde.
Quellen
- ICH E6(R2): Good Clinical Practice – Abschnitt zur Safety Reporting / AE/SAE (R2 Addendum). https://database.ich.org/sites/default/files/E6_R2_Addendum.pdf
- EMA: Clinical safety data management: definitions and standards for expedited reporting (ICH E2A). https://www.ema.europa.eu/en/ich-e2a-clinical-safety-data-management-definitions-standards-expedited-reporting
- EU CTR/CTIS Überblick (EU 536/2014): Sicherheitsberichterstattung im klinischen Prüfkontext. https://health.ec.europa.eu/medicinal-products/clinical-trials/clinical-trials-regulation-eu-no-5362014_en
Für Sponsor und Prüfzentren ist außerdem wichtig, dass die Kodierung (z. B. MedDRA), die Bewertung der Erwartetheit (Investigator’s Brochure/SmPC) und die Fristen (z. B. 7/15 Tage bei SUSAR) im Safety Management Plan klar beschrieben sind. Das reduziert Nachfragen der Behörden und verbessert die Datenqualität.