Mediconomics – für individuelle CRO-Lösungen.

Klinische Phasen I-IV

Klinische Phasen (Phase I–IV) bezeichnen die aufeinanderfolgenden Entwicklungsstufen, in denen ein neues Arzneimittel oder eine neue therapeutische Intervention am Menschen erprobt wird. Jede Phase verfolgt spezifische Ziele hinsichtlich Sicherheit, Verträglichkeit, Dosierung und Wirksamkeit. Das Phasenmodell ist international verbindlich – es bildet die Grundlage der klinischen Forschung nach Good Clinical Practice (GCP) und ist in der EU-Verordnung 536/2014 über klinische Prüfungen geregelt.

Phase I – Erstanwendung am Menschen

In der Phase I wird ein Prüfpräparat erstmals am Menschen getestet, in der Regel an 20 bis 80 gesunden Probanden. Im Vordergrund stehen Verträglichkeit, Sicherheit sowie die Pharmakokinetik (Aufnahme, Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung des Wirkstoffs). Pharmakodynamische Parameter – also die Wirkung des Arzneimittels auf den Organismus – werden ebenfalls erfasst. Phase-I-Studien nutzen häufig ein Dosiseskalationsdesign, um die maximal tolerierbare Dosis zu bestimmen.

Bei onkologischen Prüfpräparaten werden Phase-I-Studien häufig direkt an Patientinnen und Patienten durchgeführt, da ethische Erwägungen eine Erprobung an Gesunden ausschließen. Für diese Studien stellt der Sponsor ein Investigational Medicinal Product Dossier (IMPD) zusammen, das präklinische Daten und alle verfügbaren Sicherheitsinformationen enthält.

Phase II – Machbarkeit und Dosisfindung

Phase II umfasst kontrollierte Studien an einer begrenzten Patientengruppe (100 bis 300 Personen) mit der Zielerkrankung. Schwerpunkte sind:

  • Wirksamkeitsnachweis (Proof of Concept)
  • Bestimmung der optimalen therapeutischen Dosis
  • Weitergehende Sicherheitsevaluation
  • Identifikation relevanter Endpunkte für Phase III

Phase-II-Studien sind typischerweise randomisiert und können verblindet sein. Das Studiendesign kann adaptiv sein, sodass Dosisfindungs- und Wirksamkeitsphasen in einem sogenannten Phase-II/III-Design zusammengefasst werden (Seamless Design). Der Prüfplan (Clinical Study Protocol) muss bei der zuständigen Behörde – in Deutschland dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) oder dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – sowie bei der zuständigen Ethikkommission eingereicht werden.

Phase III – Zulassungsrelevante Wirksamkeit

Phase-III-Studien bilden das wissenschaftliche Kernstück der Zulassungsunterlagen. Sie sind groß angelegte, randomisierte, kontrollierte Studien mit mehreren Hundert bis Tausenden Teilnehmenden, die darauf ausgelegt sind, den Wirksamkeitsnachweis gegenüber Placebo oder einem Vergleichspräparat (aktive Kontrolle) zu erbringen. Das Nutzens-Risiko-Verhältnis wird umfassend bewertet.

Multizentrischen Studien – also Prüfungen an mehreren Prüfzentren gleichzeitig – kommt in Phase III besondere Bedeutung zu, da sie die externe Validität der Ergebnisse stärken. Die Daten aus Phase-III-Studien fließen direkt in den Zulassungsantrag ein, etwa das Common Technical Document (CTD) für eine Marketing Authorisation Application (MAA) bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).

Zu den zentralen Kennzahlen in Phase-III-Studien gehören Endpunkte wie das Gesamtüberleben (Overall Survival), das progressionsfreie Überleben (Progression-Free Survival) sowie patient-reported Outcomes. Der Data Safety Monitoring Board (DSMB) überwacht laufend die Sicherheit der Studienteilnehmenden und kann eine vorzeitige Beendigung empfehlen, wenn signifikante Schäden oder eindeutige Wirksamkeit festgestellt werden.

Phase IV – Post-Marketing-Überwachung

Phase IV bezeichnet Studien und Maßnahmen, die nach der Marktzulassung durchgeführt werden. Ziele sind:

  • Erkennung seltener oder langfristiger unerwünschter Ereignisse (Pharmakovigilanz)
  • Bewertung der Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen (Real-World Evidence)
  • Untersuchung neuer Indikationen oder Patientenpopulationen
  • Erfüllung von Auflagen der Zulassungsbehörden (Post-Authorisation Studies)

Nicht-interventionelle Studien (NIS) sind ein typisches Instrument der Phase IV. Sie erheben Daten aus der Routineversorgung, ohne in die Behandlung einzugreifen. Das AMG (Arzneimittelgesetz) und die GCP-Verordnung regeln auch für Phase-IV-Studien die Anforderungen an Dokumentation, Sicherheitsberichterstattung (SUSAR-Meldungen) und Datenschutz.

Bedeutung für klinische Studien

Das Verständnis des Phasenmodells ist für die Planung und operative Durchführung klinischer Studien unverzichtbar. Jede Phase stellt unterschiedliche Anforderungen an Studiendesign, Prüfzentrumsauswahl, Prüfplanstruktur und die einzusetzenden Ressourcen. Full-Service-CROs wie mediconomics begleiten Sponsoren über alle vier Entwicklungsphasen – von der Phase-I-Planung über die Phase-III-Durchführung an mehreren europäischen Prüfzentren bis hin zur Phase-IV-Überwachung nach Zulassung. Dabei umfasst das Leistungsspektrum Projektmanagement, Monitoring (Risk-Based Monitoring), Datenmanagement mit elektronischem Datenerfassungssystem (eCRF) sowie Medical Writing für alle studienrelevanten Dokumente.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Phase II und Phase III klinischer Studien?

Phase II dient primär der Dosisfindung und dem Machbarkeitsnachweis (Proof of Concept) an einer kleinen Patientengruppe (100–300 Personen). Phase III ist die zulassungsrelevante Wirksamkeitsstudie, die an mehreren Hundert bis Tausenden Teilnehmenden durchgeführt wird und das Nutzen-Risiko-Verhältnis umfassend belegt. Die Ergebnisse der Phase III bilden die Hauptgrundlage für die Einreichung einer Marketing Authorisation Application (MAA) bei der EMA oder BfArM.

Müssen Phase-I-Studien in der EU bei einer Behörde angemeldet werden?

Ja. Seit Geltung der EU-Verordnung 536/2014 (Clinical Trials Regulation, CTR) werden alle klinischen Prüfungen – einschließlich Phase-I-Studien – über das Clinical Trials Information System (CTIS) der EMA angemeldet. Der Sponsor muss einen genehmigten Prüfplan, ein IMPD und eine positive Stellungnahme der Ethikkommission vorlegen. In Deutschland ist zusätzlich die Genehmigung durch BfArM oder PEI erforderlich.

Wie lange dauern die einzelnen klinischen Phasen typischerweise?

Die Dauer variiert stark je nach Indikation, Design und Rekrutierungserfolg. Phase I dauert in der Regel 1 bis 2 Jahre, Phase II 2 bis 3 Jahre, Phase III 3 bis 6 Jahre. Phase IV läuft oft über viele Jahre parallel zur Vermarktung. Insgesamt vergehen vom ersten klinischen Einsatz bis zur Marktzulassung häufig 8 bis 12 Jahre, weshalb effizientes Studienmanagement und eine frühzeitige Feasibility-Prüfung zentrale Erfolgsfaktoren sind.

Regulatorische Referenzen

  • EU-Verordnung 536/2014 (CTR): Verordnung über klinische Prüfungen mit Humanarzneimitteln; gilt seit 31. Januar 2022 und ersetzt die Richtlinie 2001/20/EG
  • ICH E8(R1): Allgemeine Überlegungen zu klinischen Studien – Phasenkonzept und Studiendesign-Prinzipien
  • ICH E6(R3): Leitlinie zur Guten Klinischen Praxis (GCP); maßgeblich für alle klinischen Phasen
  • AMG (Arzneimittelgesetz, Deutschland): §§ 40–42a regeln Anforderungen an klinische Prüfungen aller Phasen
  • EMA/CHMP/ICH/291534/1995 (ICH E9): Statistische Grundsätze für klinische Studien – relevant für Phase II/III
  • EMA Guideline on clinical trials in small populations (CHMP/EWP/83561/2005): Sonderregelungen für seltene Erkrankungen (Orphan Drugs)
Nach oben scrollen