Analytische Leistung ist die Fähigkeit eines In-vitro-Diagnostikums, einen bestimmten Analyten korrekt nachzuweisen oder zu messen. Sie beschreibt die Qualität der Messung selbst und ist neben wissenschaftlicher Validität und klinischer Leistung ein eigenständiger Bestandteil der Leistungsbewertung nach der IVDR.
Messmerkmale des IVD
Je nach Art des Tests gehören analytische Sensitivität und Spezifität, Richtigkeit, Präzision, Wiederholbarkeit, Reproduzierbarkeit, Linearität, Messbereich, Nachweisgrenze und Robustheit zur analytischen Bewertung. Nicht jedes Merkmal ist für jedes IVD in gleicher Weise relevant. Der Hersteller muss begründen, welche Merkmale zur Zweckbestimmung, Probe, Messmethode und behaupteten Leistung passen.
Analytische Spezifität untersucht unter anderem, ob interferierende oder kreuzreagierende Substanzen das Ergebnis beeinflussen. Präzision betrachtet die Streuung wiederholter Messungen unter festgelegten Bedingungen. Solche Merkmale liefern keine abstrakte Qualitätsnote, sondern müssen mit vorab definierten Akzeptanzkriterien und geeigneten Proben belegt werden.
Abgrenzung zur klinischen Leistung
Analytische Leistung betrifft die Frage, ob der Test den Analyten richtig misst oder nachweist. Klinische Leistung betrifft demgegenüber die Beziehung eines Testergebnisses zur klinischen Situation des Patienten, etwa diagnostische Sensitivität und Spezifität in einer Zielpopulation. Ein analytisch gutes Ergebnis genügt daher nicht als Nachweis der klinischen Aussagekraft.
Die wissenschaftliche Validität eines Analyten beantwortet wiederum eine vorgelagerte Frage: Warum ist dieser Analyt überhaupt mit einem klinischen Zustand verbunden? Die drei Ebenen dürfen nicht vermischt werden. Eine Leistungsbewertung ist nur schlüssig, wenn Analytenbezug, Messqualität und klinische Interpretation jeweils mit passenden Daten unterlegt sind.
Studien und Akzeptanzkriterien
Analytische Leistungsstudien sollten die relevante Probenmatrix, Konzentrationsbereiche und Nutzungsszenarien abbilden. Ein Test kann bei hoher Analytkonzentration stabil funktionieren, am klinisch entscheidenden unteren Messbereich jedoch unsicher sein. Die Planung muss deshalb zeigen, warum die gewählten Proben und Kriterien die behauptete Anwendung abdecken.
Bei mehreren Standorten, Bedienern oder Gerätekonfigurationen ist zu prüfen, ob diese Variabilität Teil des Nachweises sein muss. Auch Änderungen an Reagenzien, Software oder Kalibration können eine Neubewertung analytischer Daten verlangen. Ergebnisse sind so zu berichten, dass Messmethode, Auswertung und Abweichungen für die Leistungsbewertung nachvollziehbar bleiben.
Die analytische Planung unterscheidet zwischen Fehlern der Messmethode und Fehlern vor oder nach der Messung. Hämolyse, falsche Lagerung oder eine ungeeignete Probenentnahme können ein Ergebnis beeinflussen, obwohl das Gerät technisch korrekt arbeitet. Soweit diese Faktoren in der vorgesehenen Anwendung auftreten können, muss die Leistungsbewertung ihre Auswirkungen berücksichtigen. Andernfalls wäre der Nachweis auf ideale Laborbedingungen beschränkt.
Akzeptanzkriterien sollten medizinisch und technisch begründet sein. Eine geringe Messabweichung kann für einen Analyten ohne Konsequenz sein, bei einem klinischen Entscheidungsgrenzwert jedoch erheblich. Deshalb ist zu erläutern, warum ein zulässiger Fehler den vorgesehenen Zweck nicht gefährdet. Die analytische Leistung verknüpft auf diese Weise Messstatistik mit der Anwendung des konkreten IVD.
Bei qualitativen Tests ist die Darstellung anders als bei quantitativen Messverfahren. Dort können Übereinstimmung, Nachweisgrenze und Kreuzreaktionen im Zentrum stehen, während Linearität oder Messbereich weniger relevant sind. Die Leistungsstudie darf daher nicht schematisch alle möglichen Kennzahlen aufführen, sondern muss die für den Testtyp aussagekräftigen Merkmale begründen.
Der Messbereich muss den Konzentrationen entsprechen, bei denen das Ergebnis klinisch oder diagnostisch verwendet wird. Liegt ein medizinisch relevanter Wert am Rand des validierten Bereichs, kann die Angabe eines formal vorhandenen Messbereichs unzureichend sein. Die analytische Studie sollte deshalb zeigen, wie der Test gerade im entscheidenden Bereich reagiert.
Für Mehrparameterverfahren ist zusätzlich zu prüfen, ob ein Kanal oder Analyt das Ergebnis eines anderen beeinflusst. Solche Wechselwirkungen können bei der Einzelmessung verborgen bleiben, aber die Leistung des vorgesehenen Gesamtsystems beeinträchtigen. Die Planung muss diese Besonderheit des konkreten Verfahrens berücksichtigen.
Bedeutung für klinische Studien
In einer Leistungsstudie bestimmt die analytische Fragestellung, welche Referenzmethode, Probenzahl und statistischen Kennzahlen benötigt werden. Für einen Nachweistest stehen andere Aspekte im Vordergrund als für ein quantitatives Verfahren mit Messbereich und Linearität. Werden Proben aus mehreren Zentren verwendet, müssen Präanalytik, Transport und Lagerung kontrolliert sein, weil sie die gemessene Leistung verfälschen können.
Full-Service-CROs wie Mediconomics unterstützen bei der Entwicklung analytischer Studienpläne, der Organisation von Probenlogistik und Datenmanagement, der Definition statistischer Auswertungen sowie bei der Aufbereitung der Ergebnisse für die Leistungsbewertung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist analytische Sensitivität dasselbe wie klinische Sensitivität?
Nein. Analytische Sensitivität bezieht sich auf die Messfähigkeit des Tests, klinische Sensitivität auf die Erkennung eines klinischen Zustands in der Zielpopulation.
Warum sind Interferenzen für die analytische Leistung wichtig?
Sie können ein Testergebnis verfälschen und müssen deshalb für die relevante Probenmatrix und vorgesehene Anwendung untersucht werden.
Kann ein IVD ohne klinische Leistungsdaten analytisch ausreichend belegt sein?
Die analytische Leistung kann eigenständig untersucht werden; ob weitere klinische Leistungsdaten erforderlich sind, richtet sich nach Zweckbestimmung und Leistungsbewertung.
Regulatorische Referenzen
- Verordnung (EU) 2017/746 (IVDR) — definiert den Rahmen für die Leistungsbewertung.
- MDCG 2022-2, Clinical evidence for IVDs — erläutert analytische Leistungsmerkmale.
- Verordnung (EU) 2017/746, Anhang XIII — behandelt Leistungsbewertung und Leistungsstudien.
- MDCG 2025-5, Q&A on combined studies — ordnet IVD-Leistungsstudien in kombinierte Projekte ein.