Eine Phase-0-Studie (auch exploratory IND study oder Mikrodosierungsstudie) ist eine sehr frühe klinische Studie am Menschen, die vor klassischen Phase-I-Studien durchgeführt werden kann.
Ziel ist es, mit minimalem Risiko erste Informationen über Pharmakokinetik, Verteilung oder Zielbindung zu gewinnen – häufig mit sehr niedrigen Dosen und ohne therapeutischen Anspruch.
Was unterscheidet Phase 0 von Phase I?
Während Phase-I-Studien primär Sicherheit, Verträglichkeit und Dosisfindung untersuchen, fokussiert Phase 0 auf frühe, explorative Daten zur Entscheidungsunterstützung im Entwicklungsprogramm.
Typische Unterschiede:
- Sehr niedrige Dosis (oft Mikrodosis, z. B. 1/100 der erwarteten pharmakologisch aktiven Dosis)
- Kleine Probandenzahl und kurze Studiendauer
- Keine Absicht, einen therapeutischen Effekt zu erzielen
- Stark analytisch geprägt (z. B. sensitive Bioanalytik, PET-Tracer-Ansätze)
Wofür werden Phase-0-Studien genutzt?
Phase-0-Studien können helfen, früh zu entscheiden, ob ein Wirkstoffkandidat weiterentwickelt werden sollte. Sie werden u. a. eingesetzt, um:
- erste Human-PK zu erheben und Tier-Mensch-Extrapolation zu prüfen
- Target Engagement oder Gewebeverteilung zu untersuchen
- Kandidaten innerhalb einer Substanzklasse zu priorisieren
Regulatorischer Rahmen und Grenzen
Regulatorisch sind Phase-0-Studien möglich, erfordern aber weiterhin ein sauberes Studienprotokoll, Ethikvotum und geeignete Qualitätsstandards für den Prüfsubstanz-Ansatz. Die Daten sind in der Regel nicht ausreichend, um Sicherheit für höhere Dosen abzuleiten.
Einordnung im Projektmanagement
Ökonomisch kann Phase 0 die Entwicklung effizienter machen, weil frühe „Go/No-Go“-Entscheidungen auf Human-Daten basieren. Gleichzeitig verursacht sie Zusatzaufwand und ist nur sinnvoll, wenn die Ergebnisse tatsächlich entscheidungsrelevant sind.
FAQ
Ist eine Phase-0-Studie verpflichtend?
Nein. Sie ist optional und wird nur durchgeführt, wenn sie einen klaren Erkenntnisgewinn liefert.
Wer nimmt an Phase-0-Studien teil?
Meist gesunde Freiwillige; in manchen Fällen können auch Patienten eingeschlossen werden, wenn dies wissenschaftlich oder ethisch sinnvoll ist.
Warum wird oft eine Mikrodosis verwendet?
Eine Mikrodosis reduziert das Risiko, erlaubt aber trotzdem die Messung von PK-Parametern oder Verteilung, wenn ausreichend sensitive Messmethoden vorhanden sind.