Ein Paediatric Investigation Plan (PIP) ist ein von der europäischen Arzneimittelbehörde geprüftes Entwicklungsprogramm, das beschreibt, wie die Wirksamkeit, Sicherheit und geeignete Anwendung eines Arzneimittels bei Kindern und Jugendlichen untersucht werden soll.
Der PIP ist ein zentrales Element der EU-Kinderarzneimittel-Verordnung und soll sicherstellen, dass pädiatrische Daten systematisch erhoben werden – anstatt Kindertherapie ausschließlich aus Erwachsenendaten abzuleiten.
Wozu dient ein Paediatric Investigation Plan?
Der PIP legt fest, welche Studien, Formulierungsentwicklungen und weiteren Maßnahmen erforderlich sind, um ein Arzneimittel für pädiatrische Altersgruppen zu beurteilen.
Typische Ziele sind:
- Definition geeigneter Alterskohorten (z. B. Neugeborene, Säuglinge, Kinder, Jugendliche)
- Festlegung von klinischen Studien und ggf. nicht-klinischen Untersuchungen
- Entwicklung einer kindgerechten Darreichungsform (z. B. Saft, Schmelztablette, Dosierungshilfen)
- Planung von pharmakokinetischen/pharmakodynamischen Untersuchungen und Sicherheitsmonitoring
Wann muss ein PIP eingereicht werden?
In der EU ist ein PIP grundsätzlich erforderlich, wenn für ein neues Arzneimittel oder eine neue Indikation eine Zulassung beantragt wird und die Erkrankung auch im Kindesalter relevant sein kann.
Der PIP wird typischerweise früh in der Entwicklung eingereicht (oft vor Abschluss der Phase-I/II-Planung), da viele Anforderungen zeitkritisch sind.
Wer bewertet den PIP?
Die wissenschaftliche Bewertung erfolgt durch das Paediatric Committee (PDCO) der EMA. Das PDCO kann den PIP:
- genehmigen (ggf. mit Auflagen)
- ändern lassen (Modifikation des Plans)
- ablehnen, wenn die Begründung oder Methodik nicht überzeugt
Deferral und Waiver: wichtige Ausnahmen
In vielen Entwicklungsprogrammen werden Ausnahmeregelungen genutzt:
- Deferral: bestimmte pädiatrische Studien dürfen zeitlich nach hinten verschoben werden (z. B. bis mehr Erwachsenendaten vorliegen).
- Waiver: eine (teilweise oder vollständige) Befreiung von der Pflicht, wenn das Arzneimittel für Kinder nicht geeignet oder die Indikation im Kindesalter nicht relevant ist.
Warum ist der PIP auch ökonomisch relevant?
Ein genehmigter PIP kann regulatorische Pflichten strukturieren, aber auch Anreizmechanismen auslösen (z. B. Verlängerung des ergänzenden Schutzzertifikats oder zusätzliche Marktexklusivität in bestimmten Konstellationen). Gleichzeitig beeinflusst er Kosten, Zeitplan und Machbarkeit des Entwicklungsprogramms.
FAQ
Ist ein PIP dasselbe wie ein pädiatrisches Studienprotokoll?
Nein. Der PIP ist ein übergeordnetes Entwicklungsprogramm und kann mehrere Studien und Maßnahmen umfassen. Einzelne Protokolle sind detaillierter und werden später erstellt.
Gilt der PIP auch für Generika?
Für Generika gelten häufig Ausnahmen; die konkrete Pflicht hängt vom Zulassungsweg und der beantragten Indikation ab.
Kann ein PIP nachträglich geändert werden?
Ja. PIPs werden häufig im Verlauf der Entwicklung angepasst, z. B. wenn neue Daten vorliegen oder Studien praktisch nicht durchführbar sind.