Die Per-Protocol-Analyse (PP-Analyse, auch Efficacy-Analyse oder Valid-Case-Analyse) ist eine sekundäre oder ergänzende Analysestrategie in klinischen Studien, bei der nur diejenigen Teilnehmer ausgewertet werden, die das Studienprotokoll vollständig und korrekt eingehalten haben. Dies umfasst in der Regel: Erhalt der vorgesehenen Behandlung (mindestens definierte Compliance-Schwelle), keine schwerwiegenden Protokollverletzungen und vollständige Erhebung des primären Endpunkts.
Die PP-Analyse schätzt die Wirksamkeit einer Behandlung unter optimalen Bedingungen (Efficacy), während die Intention-to-Treat-Analyse (ITT) die Effektivität unter realen Bedingungen misst. In Superioritätsstudien ist die ITT-Analyse primär; die PP-Analyse dient als Sensitivitätsanalyse. In Äquivalenz- und Non-Inferiority-Studien ist die PP-Analyse gleichwertig oder primär, da Protokollverletzungen hier systematisch zu einer Annäherung der Gruppen führen können (Conservative Bias zu Gunsten der Nullhypothese).
Die Definition der PP-Population muss im Statistischen Analyseplan (SAP) vor dem Datenbank-Lock festgelegt werden, um Post-hoc-Selektionsverzerrungen zu vermeiden. Für CROs ist die sorgfältige Dokumentation von Protokollverletzungen (Protocol Deviations) eine Voraussetzung für eine valide PP-Analyse. Regulatorische Referenz: ICH E9, CPMP/EWP/908/99 (Non-Inferiority Studies).